Touren-Tagebuch 2007

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Januar

05.01.2007

Ein kleiner Spaziergang bei völlig bedecktem Himmel und milden 8°C. Es ging am Schwarzbach entlang nach Okriftel ins Wäldchen und von dort zurück durch die Felder (Mühlgrabenweg) nach Hattersheim. Die Natur schläft noch nicht tief und fest, was ja nicht sonderlich verwunderlich ist, angesichts der milden Witterung. Winter ist jedenfalls nicht. So kann man schon erkennen, dass sich die Frühjahrsblüher auf ihren Auftritt vorbereiten. Das Scharbockskraut, die Buschwindröschen und auch der Hohle Lerchensporn treiben schon aus der Erde. Auch die Kätzchen der Erlen und Haselnusssträucher sind bereit zur Blüte. Aber so manche Pflanze hat sich auch völlig in der Zeit vertan. So fand ich diesen frisch erblühten Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris) direkt am Schwarzbach und am Mühlgrabenweg dieses Einjährige Bingelkraut (Mercurialis annua). Zudem blühen noch immer Weiße, als auch Gefleckte Taubnesseln. Doch das Highlight war eine alte, schiefe Birke an der Mündung des Schwarzbachs in den Main. Die Borke ist überwachsen mit Schlafmoos und darin tummeln sich noch andere "Lebewesen". Auf einer Fläche von etwa 20x20cm fand sich darin eine Gruppe Pilzwinzlinge (Galerina spec.), Becherflechten (Cladonia fimbriata) und Flechten der Art Parmelia sulcata. Schon spannend, solch ein Mini-Biotop. Tja, und dann findet man an den Forsythiensträuchern schon Blüten. Noch vereinzelt, aber immerhin. Ich glaube, es gibt dieses Jahr keine wirkliche Forsythien-Hochblüte, sondern, die Knospen blühen nacheinander ab. Wäre Schade, wenn ich recht hätte.

10.01.2007

Erste Wanderung des Jahres Richtung Weilbacher Kiesgruben bei 14°C !! Es ist ungewöhnlich mild. Die ersten zehn Tage dieses Januars sind etwa 7°C zu warm. So fand ich schon jetzt blühende Märzveilchen (Viola odorata) wogegen die Schneeglöckchen noch nicht zu sehen sind. Die Haselnusssträucher sind größtenteils schon in Blüte  (Foto einer weiblichen Blüte, ist vielleicht noch nicht jedem aufgefallen) und auch der Holunder treibt schon aus. Zudem fand ich Persischen Ehrenpreis (Veronica persica) und Gewöhnliches Greiskraut (Senecio vulgaris). Aber auch die Wald-Erdbeeren am Raben (Speierlingsallee) blühen noch. Abschließend für heute noch zu erwähnen sind die Moose und Flechten: Mauer-Drehzahn ( Tortula muralis) und Polster-Kissenmoos (Grimmia pulvinata) - beide Moose auf der Trockenmauer am Raben; Gewöhnliche Gelbflechte (Xanthoria parietina) - fast auf jedem Baum rund ums NSG Weilbacher Kiesgruben. Bei der Fotografie der Moose wurde ein mitfühlendes Ehepaar auf mich aufmerksam. Sie dachten, ich sei krank, als ich da so vor den Moosen kauerte und machten sich Sorgen. Ich konnte dies Missverständnis schnell aufklären und habe mich in aller Form für ihr Mitdenken bedankt. Denn ich weiß, wie oft Menschen an anderen Menschen in Not einfach vorbeigehen aus eigener Erfahrung. Also auch an dieser Stelle: vielen Dank an dieses Ehepaar!!

Am Hahnenpfad kann man derzeit ganz gut die Schwanzmeisen beobachten, wie sie in den kahlen Zweigen herumturnen. Leider war es zu dunkel für brauchbare Fotos.


Februar

01. 02. 2007

Ein kleiner Spaziergang am Schwarzbach entlang bei sonnigen 9°C. Die Natur erwacht dieses Jahr wirklich etwas früher. Habe ich 2006 erst Ende März blühende Krokusse entdeckt, blühen sie dieses Jahr rund sieben Wochen früher. Auch Winterlinge (Eranthis hyemalis) und Schneeglöckchen blühen eifrig.

23.02.2007

Meine heutige Tour führte mich bei herrlichem Frühlingswetter - etwa 15°C - den Schwarzbachweg entlang zum Okrifteler Wäldchen. Ich wollte einmal nachschauen, wieweit die Veilchen dort schon gediehen sind. Nun, sie brauchen bestimmt noch ein bis zwei Wochen bis zur Blüte. Dafür blüht der Wald-Gelbstern (Gagea lutea) schon - fünf Wochen früher als letztes Jahr! Zudem fand ich noch eine kleine Anzahl an Märzenbecher (Leucojum vernum). Guter Dinge lief ich dann den Schwarzbachweg zurück und konnte ein, seinen Balzgesang schmetterndes, Rotkehlchen ablichten. Außerdem traf ich heute auf meine ersten Tagfalter diesen Jahres: ein Admiral und ein Zitronenfalter. Leider flogen sie ohne Stopp zügig vorbei - keine Chance auf ein Foto. Ich bog dann Richtung Rosarium ab, weiter zur Wasserwerkchaussee, wo ich meine derzeitigen Gassigäste abholte. Dort, in der Allee, blüht bereits vereinzelt das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) - ebenfalls etwa vier Wochen früher als 2006. Auf einer dieser Blüten fand ich eine kleine Furchenbiene der Gattung Lasioglossum. Nach meiner Gassirunde ging ich dann nach Hause. Dabei traf ich noch auf eine äußerst emsige Honigbiene (Apis mellifera), die sich in aberwitzigem Tempo in die Kelche der Krokusse am Schwarzbachweg stürzte. Sie nahm sich nicht einmal Zeit, sich den Pollen von den Augen zu wischen. Zuhause angekommen, entdeckte ich auf der Wiese neben der Eingangstüre noch einige Exemplare des Behaarten Schaumkrauts (Cardamine hirsuta).


März

4.03.07 - 09.03.20007

In diesen Tagen machte ich mich in der Wasserwerkchaussee (Hattersheim) auf die Suche nach den ersten Wildbienen. Gefunden habe ich verschiedene, nicht genauer bestimmbare Arten der Gattung Lasioglossum, (Furchenbienen) sowie Sandbienen der Art Andrena bicolor und eventuell eine Andrena tscheki (ist aber nach weiterer Recherche wohl aber eher unwahrscheinlich). Letzteres wäre eine wundervolle Entdeckung gewesen, da sie einerseits auf der Roten Liste als "gefährdet" (RL3) geführt wird und gerade hier im Rhein-Main-Gebiet ausgesprochen selten sei. Fotos sind mir aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse leider nicht wirklich gelungen, für gute Makroaufnahmen reicht das Licht nicht aus. Weitere Insekten waren ein Asiatischer Marienkäfer (Harmonia axyridis) und zwei Hummelarten: Bombus hortorum - Garten-Hummel, da entdeckte ich eine Königin die mir mit aufgerichtetem Körper drohte; und Bombus pratorum, die Wiesen-Hummel. Nachtrag 30. März: Bei einem Rundgang durch das Gebiet zwischen Okriftel und Eddersheim konnte ich einer Weiden-Sandbiene (Andrena vaga) beim graben ihrer Bruthöhle zuschauen.

An Pflanzen entdeckte ich schon den ersten blühenden Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava), die Weiden sind auch kurz davor. Über einige Exemplare des Acker-Gelbsterns (Gagea villosa) freute ich mich besonders, wird er doch als RL 3 geführt.

Auch gelangen mir einige schöne Aufnahmen eines Distelfink (Carduelis carduelis), der auch Stieglitz genannt wird. Er ist einer unserer farbenprächtigsten heimischen Singvögel. Er ernährt sich überwiegend von Korblütlersamen (davon allein etwa 30% Distelsamen), im Sommer werden auch kleine Insekten nicht verschmäht. Der Stieglitz (sein Ruf hört sich etwa wie "tiglitt" an) brütet gerne in alten Obstbäumen, dort baut er sein Nest in etwa 3-10m Höhe in einer äußeren Astgabel.

13. März 2007

Trotz müder Beine nutzte ich den heutigen, wunderschönen Frühlingstag (sonnige 16°C im Schatten) für eine kleine Radtour zu den Weilbacher Kiesgruben. Ich habe es nicht bereut! Zum einen konnte ich noch bevor ich losradelte diese Listspinne (Pisaura mirabilis) fotografieren, zum anderen tat die Sonne einfach nur gut.

Mein erster Halt war am Bolzplatz in Okriftel. Dort gibt es einige frühe Zwetschgenblüten.  Ich wurde auch fündig: eine "Frühe Großstirnschwebfliege"  (Scaeva selenitica) flog mir vor das Objektiv meiner Kamera. Die Larven dieser Art ernähren sich von Blattläusen und sind damit nützliche Schädlingsbekämpfer. Am selben Strauch fand ich auch noch eine Raupenfliege der Gattung Ramonda (Danke an das Forum bei www.diptera.info und Danke an Arp vom Forum bei Insektenfotos.de fürs Einstellen). Weiter radelte ich den Hahnenpfad entlang und erreichte schließlich den Südrand des Naturschutzgebietes Weilbacher Kiesgruben. Kaum angekommen, konnte ich einem Pärchen Schwanzmeisen (Aegithalos caudatus) beim Sammeln von Nistmaterial beobachten. Leider gelang mir durch das dichte Geäst der Sträucher nur dies eine "kopflose" Foto. Das Nest der Schwanzmeise erinnert an eine Kugel, die von außen mit Flechten und Moosen verblendet ist. Bei den Schwanzmeisen kommt es manchmal vor, dass nicht nur die leiblichen Eltern die Jungen füttern. Es sind "Kinderlos" gebliebene Artgenossen die sich an der Versorgung beteiligen.  Einige Meter weiter entdeckte ich ein paar Gelbe Dungfliegen (Scatophaga stercoraria) auf den Blüten von Salix caprea (Salweide). Unappetitlicher Name, doch ist sie wirklich hübsch anzusehen mit ihrem goldbraunen "Pelz".  Diese Art paart sich vorwiegend auf Kuhfladen und legt auch seine Eier darin ab. Weiter, den Rundweg entlang, flatterten mir fast zeitgleich ein C-Falter (Nymphalis c-album), ein Kleiner Fuchs (Nymphalis urticae) und ein Tagpfauenauge (Nymphalis io) vor die Füße. Natürlich habe ich gleich meine Kamera gezückt und fotografiert, was der Memory Stick hergab. Die Raupen aller drei Falter fressen ausschließlich an Brennessel, außer die des C-Falters, diese kann man manchmal auch an Hopfen oder Ulmen finden. Insgesamt zählte ich heute 4 C-Falter, drei Tagpfauenaugen, 5 Kleiner Fuchs und drei Zitronenfalter (von denen sich keiner für ein Foto bereiterklärte).

In einem Tümpel des Naturlehrpfades tummeln sich schon die Teichmolche (Triturus vulgaris) zur Balz. Es war gar nicht so einfach, solch ein im Wasser schwebendes Exemplar abzulichten. Auch nicht einfach war die Fotografie eines Großen Wollschwebers (Bombylius major), der sich an einer am Ufer wachsenden kleinen Weide labte. Doch, es glückte. Wenn auch die Flügel bei diesem Schwirrflug nicht zu erkennen sind. Der Wollschweber legt seine Eier vor den Nesteingängen bevorzugt von Sandbienen ab. Die jungen Larven kriechen dann in das Nest, häuten sich und ernähren sich vorerst von den Nektar und Pollenvorräten der Bienen, dann frisst sie schließlich die Bienenmaden selbst.

 

In den folgenden Tagen machte ich nur vereinzelt ein paar Aufnahmen bei meinen Gassirunden mit meinen aktuellen Pfleglingen. Unter anderem konnte ich für kurze Zeit eine Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea) beobachten. Eine wunderschöne und sehr große Biene (ich denke, die größte heimische Wildbiene). Außerdem gelang es mir, endlich Fotos der Nilgänse (Alopochen aegyptiacus) am Main bei Eddersheim schießen. Am Mainufer konnte ich auch zwei Erdwanzen (Tritomegas bicolor) entdecken.

Am Fenster meines "Lesezimmers" krabbelte dann in diesen Tagen noch ein Strichfleckiger Schildlaus-Marienkäfer (Chilocorus bipustulatus). Ein niedliches (Größe etwa 3mm) und hilfreiches Insekt - es ernährt sich, wie sein Name erahnen lässt, von Schildläusen.

26. März 2007

Wanderung zu den Weilbacher Kiesgruben bei sonnigen 17°C. Als erstes entdeckte ich rein zufällig an einem Birkenstamm diese kleine Zwergzikade (Acericerus spec.). Ich habe sie mir länger betrachtet, da ich noch nie eine gesehen hatte. Ein lustiges, kleines Insekt, mit seinen Kulleraugen. Ein Stück weiter, an einer Böschung tummeln sich tausende Sandbienen. Doch in dem ganzen Gewusel tat sich auch etwas "romantisches": Frühlings-Seidenbienen (Colletes cunicularius) bei der Paarung. Wenig später schreckte ich an einem Seitenweg des NSG Weilbacher Kiesgruben Rundweges ein Waldbrettspiel (Pararge aegeria) auf. Wissend, dass es seinen Platz nur kurz verlässt, wartete ich auf meine Chance. Und tatsächlich, es ließ mich, nachdem es sich wieder eingefunden hatte, bis auf wenige Zentimeter an sich heran. Auf diesem Foto ist zu erkennen, woran sich Edelfalter von anderen Tagfaltern unterscheiden. Sie sitzen auf nur zwei Beinpaaren, das vordere Beinpaar ist zu kleinen Putzbeinchen umgewandelt. Weiter laufend, erreichte ich den Abstieg zum Naturlehrpfad. Dort blüht eine kleine Gruppe von Wiesen-Schlüsselblumen (Primula veris ssp. veris). Nachdem ich sie eine Weile betrachtete, ging ich hinunter. An einem Hang leuchtete es hell-violettblau. Das zog mich magisch an. Siehe da, ein Teppich Rauer Veilchen ( Viola x scabra - Bastard zwischen V. odorata und V. hirta). In Gesellschaft von Potentilla sterilis ( Erdbeer-Fingerkraut). Ach ja, der Frühling - einfach schön. Nur ein paar Meter weiter scheuchte ich einen wunderschönen Feld-Sandlaufkäfer (Cicindela campestris) auf. Ein wirklich scheuer Käfer. Ich musste ihn über eine längere Strecke verfolgen, ehe ich dies eine Foto aus gut zwei Schrittlängen Entfernung machen konnte. Als ich dann den Lehrpfad wieder verließ und mich Richtung Raben begab, entschloss ich mich noch einen Abstecher in einen Seitenweg (vorbei an der noch aktiven Kiesgrube) zu machen. Ich habe es in keinster Weise bereut! Fand ich doch hoch oben in einem Schlehenstrauch einen Großen Fuchs (Nymphalis polychloros). Mein erster! Ich habe ihn noch nie zuvor gesehen. Er wird auf der Roten Liste an 3 geführt und steht, wie alle heimischen Edelfalter unter Naturschutz. Als ich mich schließlich von ihm losreißen konnte, ging ich dann weiter Richtung Heimat und konnte an einem Baum noch eine Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva) fotografieren. Das war eine wahrlich erfolgreiche Tour. An Schmetterlingen begegneten mir heute insgesamt noch 15x Kleiner Fuchs, 7x Admiral (blieben leider alle nicht für ein Foto sitzen...), 11x Tagpfauenauge, 2x Zitronenfalter und 4x Kleiner Kohlweißling.

27. März 2007

Erste Radtour Richtung Mönchbruch bei strahlendem Sonnenschein, aber mit einem stürmisch, kalten Ostwind. Am Mainufer, in einem kleinen Wäldchen (Okriftel) konnte ich eine Zuckmücke (Chironomus spec.) fotografieren. Auf der anderen Seite des Maines fand ich noch eine weitere Sandbiene für meine Sammlung: Andrena haemorrhoa, die Rotschopfige Sandbiene. Als ich einige Minuten später dann die Neuwegschneise erreichte und die Seitenwege absuchte, musste ich wieder feststellen, dass die Natur hier immer rund vier Wochen zurückhängt (gegenüber Hattersheim). An Pflanzen gibt es noch nichts zu erwähnen. Doch fand ich trotzdem etwas, dass mich freute: Frühlings-Wegwespen (Anoplius viaticus). Ich habe sie lange beobachtet, doch tat mir in dieser Zeit keine den Gefallen, eine Wolfsspinne zu finden und zu überwältigen. Diesen Kampf hätte ich zu gerne einmal gesehen und fotografiert. (Nachtrag von April: ich konnte zwar noch immer keinen Kampf beobachten, doch fand ich eines ihrer Opfer, eine Wolfsspinne / Trochosa terricola. Auf dem Foto ist sie bereits durch einen Stich der Wegwespe gelähmt).  Jedenfalls fuhr ich nicht weiter zu den Mönchbruchwiesen, der Wind war mir einfach zu kalt und ich dafür auch zu dünn angezogen. Auf dem Rückweg konnte ich noch ein Birken-Jungfernkind (Archiearis pathernias) finden und auf der Eddersheimer Schleuse hat eine Brückenkreuzspinne (Lariniodes sclopetarius) ihr kunstvolles Radnetz geknüpft.

Einen Tag später, als ich von einer Gassirunde zurückkam, schwirrte doch am Schwarzbachweg schon das erste Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) herum. Leider schwirrte es so eilig um die Blüten des Hohlen Lerchensporns, dass mir nur ein halbwegs brauchbares Foto gelang. Aber was soll es, das Jahr hat erst begonnen und ich hoffe auf noch viele Gelegenheiten!


April

Dieser Monat beginnt mit derart traumhaften Wetter, dass ich fast täglich meine Gebiete durchstreife und kaum noch an meinen Rechner zum Schreiben komme. Also, liebe Freunde, verzeiht, wenn die Tourenbeschreibungen zeitlich hinterherhinken und etwas knapper ausfallen. Die Fotos kommen dennoch relativ zeitnah in die Sammlung.

01. April 2007

Kleiner Ausflug bei sonnigem Wetter zum Main zwischen Okriftel und Sindlingen. Zu finden gab es noch nicht sehr viel. Der Schwarzbachweg ist stellenweise völlig in den betörenden Duft der Blüten von Prunus padus (Trauben-Kirsche) gehüllt - ja, so riecht Frühling! Am Mainufer gibt es ausgedehnte Bestände von Petasites hybridus ( Gemeine Pestwurz), die in meiner Sammlung noch fehlte. Die Weiden am Mühlgraben sind mittlerweile fast völlig abgeblüht und ich fand kaum noch Bienen, dafür aber ein Weibchen einer Blattwespe (Dolerus spec.). Sehr gefreut habe ich mich über den Fund einer Pflanze aus der Roten Liste: Veronica triphyllos ( Dreiteiliger Ehrenpreis / RL 2 in Hessen). Leider waren es nur zwei Exemplare, die ich an einem Getreideacker fand. Zudem konnte ich dank der besseren Kameratechnik auch Aufnahmen von Spergula arvensis ( Acker-Spark) machen und ihn in meine Fotosammlung aufnehmen.

 

02. April 2007

Heute machte ich eine weitere Vorerkundungstour Richtung Mönchbruch. Schon auf dem Weg dorthin, am Mainufer, gelang mir der "Schuß" des Tages: endlich ein Foto eines Zitronenfalters (Gonepteryx rhamni). Der Zitronenfalter gehört zu den ersten Edelfaltern des Jahres, was daran liegt, dass er als ausgewachsener Falter überwintert. Anders als beispielsweise der Kleine Fuchs, der gerne auf Dachböden oder in Schuppen überwintert, verbringt der Zitronenfalter den Winter frei in der Vegetation sitzend - meist dicht über dem Boden. So erreichen ihn die ersten warmen Sonnenstrahlen ungehindert und erwecken ihn zeitig zum Leben. Seine Raupen fressen hauptsächlich an Faulbaum (Frangula alnus).

Im Heidegebiet an der Neuwegschneise ließ mich der melodische Gesang eines Vogels aufhorchen. Nach einigem Umherschauen entdeckte ich in rund dreißig Metern Entfernung hoch oben auf einem Baum den Sänger: ein Schwarzkehlchen (Saxicola torquata). Das Foto ist auf diese Distanz nicht berauschend geworden. Doch als Belegaufnahme reicht es. Das Schwarzkehlchen ist ein Bodenbrüter und gehört in die Familie der Wiesenschmätzer (wie auch das Braunkehlchen). Heute noch zu erwähnen sind einige Graugänse (Anser anser), die in den Mönchbruchwiesen auf Futtersuche waren.

 

06. April bis 09. April 2007

Am Osterwochenende war zu meiner großen Freude wieder einmal Anja aus Ludwigsburg zu Besuch. Gemeinsam streiften wir durch die Schwanheimer Dünen, Weilbacher Kiesgruben und, ganz neu, die Flörsheimer Schweiz.

 

Nur mal ein paar Funde der letzten Tage. Hauptsächlich sind dies Insekten. Die meisten Pflanzen habe ich letztes Jahr schon dokumentiert. An Schmetterlingen konnte ich beispielsweise am 21. April bei einer großen Tour rund um Hattersheim folgende Arten finden und fotografieren: Vanessa atalanta ( Admiral - endlich!), Lycaena phlaeas ( Kleiner Feuerfalter), Coenonympha pamphilus ( Kleines Wiesenvögelein), Polyommatus icarus (Hauhechel-Bläuling) und Pieris napi ( Grünader-Weißling). Soweit die Tagfalter. Gesehen habe ich auch einige Schwalbenschwänze (Papilio machaon), doch leider nur im schnellen Vorbeiflug. Hinzu kommen noch einige (wenn auch manchmal tagaktive) Nachtfalter: Chiasmia clathrata (Klee-Gitterspanner) in zwei Farbvarianten, Ematurga atomaria (Heidespanner), Panemeria tenebrata (Hornkraut-Eule) und, wenn auch nur als Raupe, Erannis defoliaria (Großer Frostspanner). Zu erwähnen ist auch noch der Tanz der Langhornmotten Adela reaumurella. Dutzende Männchen dieser Art umschwirrten einen Weißdornstrauch in der Nähe des Okrifteler Sees. Unweit dieses "Spektakels" weidete sich ein Gold-Rosenkäfer (Cetonia aurata) an den Blüten eines Weißdorns. Ich staune immer wieder über den Glanz seines Panzers. Je nach Lichteinfall dunkelgrün bis rot glänzend. Und ebenfalls in dieser Ecke von Hattersheim fand ich auf einer Eiche einen Käfer der Roten Liste: Cortodera humeralis - ein Bockkäfer. Auch noch erwähnenswert ist ein Vierzehntropfiger Marienkäfer. Vor allem wegen seines unaussprechlichen, wissenschaftlichen Namens:  Calvia quatuordecimguttata

Große Freude bereitete mir der Fund einer Gehöckerten Krabbenspinne (Thomisus onustus) an meiner geliebten Böschung (verlängerte Voltastraße / Hattersheim). Auch ihre Beute war sehr interessant, eine nicht so häufige Furchenbiene: Lasioglossum xanthopus. Die Spinne "hilft" auf dem Foto gerade mit, dass dies so bleibt... Ein Pflanzenfund von dort hat mich etwas in Erstaunen versetzt. Dort wachsen einige Exemplare der Berg-Kornblume (Cyanus montanus) - eine Pflanze die vorwiegend im Alpenraum vorkommt. Wahrscheinlich ein Gartenflüchtling. Ebenfalls an dieser Böschung kann man schon die Larven vom Grünen Heupferd (Tettigonia viridissma) beobachten. Sie sehen schon im 1. Larvenstadium fast aus wie als Imago - nur halt viel kleiner.

Rund um das NSG Weilbacher Kiesgruben blüht seit etwa dem 13. April schon der Flieder (Syringa vulgaris). Ich konnte nicht widerstehen und schnitt mir einen großen Strauß, der, zuhause angekommen, sogleich die ganze Wohnung mit seinem Duft erfüllte. Gut beobachten ließen sich heute die Zauneidechsen (Lacerta agilis).

 

28. April 2007

Wieder einmal rund ums NSG Weilbacher Kiesgruben gewandert. Wobei alleine schon der Weg dorthin eine Fundgrube ist. In der Nähe der Wasserwerksallee fand ich eine Kürbisspinne (Araniella cucurbitina), meine erste seit Jahren wieder. Eine hübsche Spinne, wie ich finde. Ein paar Meter weiter, auf der Unterseite eines Klettenblattes ruhte sich ein Grüner Scheinbockkäfer (Oederma nobilis) aus. Ich finde es erstaunlich, was dieses kleine Kerlchen (es ist ein Männchen) für stramme Hinterschenkel hat. Alles nur, um den Weibchen zu imponieren. Ebenfalls in direkter Nachbarschaft fand ich auf Euphorbia cyparissias eine winzige Furchenbiene - Halictus subauratus. Sie hatte bequem in einer Einzelblüte Platz. Ganz in der Nähe davon wächst eine kleine, doch recht schöne Pflanze, die Ackerröte (Sherardia arvensis) - kaum 10cm hoch. Dann entdeckte ich dort auch noch eine Blattwespe, die ich nicht bestimmen konnte. Kann es ein Leser? (Konnte ich mittlerweile als Tenthredo maculata identifizieren) Wenn man die Wasserwerksallee entlang läuft, begleitet einen derzeit auf Schritt und Tritt der melodiöse Gesang der Nachtigallen (Luscinia megarhynchos). Und ich hatte das riesige Glück, von einer ein Foto machen zu können. Ein unscheinbarer, kleiner, brauner Vogel mit schöner Stimme. Die Nachtigallen bauen ihr Nest gut getarnt am Boden und leben auch vorzugsweise in Bodennähe und in Deckung. Später, am NSG Weilbacher Kiesgruben angelangt, genauer gesagt am Naturlehrpfad, konnte ich zwei Libellenarten fotografieren: Coenagrion puella (Hufeisen-Azurjungfer) und Pyrrhosoma nymphula (Frühe Adonislibelle). Außerdem fand ich eine Schabe. Keine, an die Sie jetzt vielleicht denken. Sondern eine Lappländische Waldschabe (Ectobius lapponicus) und zwar ein Männchen. Diese Art geht nicht in Gebäude (höchstens ausversehen) und lebt vor allem an Waldrändern und dichten Gebüschen.


Wer regelmäßig meine Seiten besucht, wird feststellen, dass nicht alle Neufunde hier im Touren-Tagebuch erwähnt werden. Das würde den Rahmen des Möglichen sprengen. Ich kann nur empfehlen, auf der Seite Funde 2007 vorbeizuschauen, dort sind alle Funde von diesem Jahr aufgelistet.

Mai

01. Mai 2007

Nur mal eine kurze, "tragische" Geschichte: bei einem kleinen Spaziergang in der Nähe der Wasserwerkallee entdeckte ich im hohen Gras am Waldrand einige Blutzikaden (Cercopis vulnerata) und machte von einem Exemplar ein Foto. Doch saß eine andere viel leichter erreichbar an einer anderen Stelle. Also richtete ich mein Objektiv auf sie. Doch war sie etwas "kamerascheu" und wollte sich durch einen Sprung auf eine benachbarte Brennesselpflanze dem Fotografiertwerden entziehen. Nun, sie landete direkt in den "Fangarmen" einer großen Krabbenspinne (Xysticus acerbus). Ein hoher Preis für diese Scheu. Die Larven der Blutzikaden leben eingehüllt in einem Schaumnest  etwa 10-15 cm tief unter der Erde an den Wurzeln krautiger Pflanzen.

 

03. Mai 2007

Ein Ausflug Richtung Mönchbruch. Belohnt wurde er mit meinem ersten Fund einer Gewöhnlichen Ameisenjungfer (Myrmeleon formicarius). Sie kennen vielleicht eher deren Larve: den Ameisenlöwen, der an sandigen Stellen seine Trichterfallen gräbt und in der Tiefe auf hereinfallende Beute lauert. Gefreut haben mich auch folgende Libellen: Calopteryx splendens (Gebänderte Prachtlibelle / Weibchen), Cordulia aenea ( Gemeine Smaragdlibelle / Männchen) und Orthetrum cancellatum ( Großer Blaupfeil / noch nicht ganz ausgefärbtes Männchen). Auch ein paar Schmetterlinge bekam ich vor die Linse: Polyommatus agestis (Kleiner Sonnenröschen-Bläuling), Carterocephalus palaemon (Gelbwürfeliger Dickkopffalter), Aplocera efformata / oder Aplocera plagiata (lässt sich anhand der Flügelzeichnung nicht unterscheiden), Agriphila tristella (Graszünsler) und Cabera pusaria (Weißspanner). Und an einem kleinen Teich an der Neuwegschneise sprang mir unvermittelt ein Springfrosch (Rana dalmatina) vor die Füße - ein recht seltener Genosse in unserer Gegend. Auch einen nicht so häufigen Schnellkäfer konnte ich auffinden: Melanotus punctolineatus. Dann gäbe es noch eine Narzissen-Schwebfliege (Merodon equestris) zu erwähnen, von der ich nicht so genau weiß, was sie auf einer Lichtung mitten im Wald suchte...     In der Nähe des Heidegebietes fand ich eine recht große Raubfliege - Dysmachus trigonus (Säbel-Raubfliege. Recht beeindruckendes Geschöpf. Und nach all diesen Insekten soll der Gewöhnliche Flügelginster (Chamaespartium sagittale) vom Heidegebiet nicht unterschlagen werden - der fehlte in meiner Sammlung.

 

12. Mai 2007:

Tagestour mit Reiner Merkel in die Main-Spessart-Region

 

13.-21. Mai 2007:

Urlaub mit Anja in Nördlingen / Ries


Juni

07.06.2007

Bei einem Spaziergang durch die Wiesen am Mainufer zwischen Okriftel und Frankfurt-Sindlingen konnte ich zufällig ein "Drama" der Insektenwelt beobachten. Den ungleichen Kampf zwischen einer Kleinen Wolfsfliege (Molobratia teutonus) und einer Honigbiene. Die Biene startete gerade von einer Flockenblumenblüte, da wurde sie im Fluge von einer Kleinen Wolfsfliege gepackt, und umgehend - noch im Sinkflug - durch einen Stich getötet. Es ging so schnell, dass ich nur Fotos von der akrobatischen Landung machen konnte. Verblüffender Weise saugte sie die Biene in dieser Haltung auch aus.

Juni, auf der Pirsch nach Schmetterlingen. Dabei bin ich doch recht erfolgreich gewesen. Allein in den ersten drei Wochen dieses Monats konnte ich in meinem Suchgebiet  21 Arten fotografieren. Hier sind sie: Callistege mi (Scheck-Tageule), Fixsenia pruni (Pflaumen-Zipfelfalter), Ochlodes venatus (Rostfarbiger Dickkopffalter), Thymelicus lineola (Schwarzkolbiger Dickkopffalter), Thymelicus sylvestris (Braunkolbiger Dickkopffalter), Coenonympha pamphilus (Kleines Wiesenvögelein), Issoria lathonia (Kleiner Perlmutterfalter), Lycaena phlaeas (Kleiner Feuerfalter), Lythria cruentaria (Ampfer-Purpurspanner) - und eine Farbvariante davon, Melanargia galathea (Schachbrett) bei der paarung, Pieris rapae (Kleiner Kohlweißling) bei der Paarung, Oncocera semirubella (Zünsler), Aphantopus hyperantus (Brauner Waldvogel), Argynnis paphia (Kaisermantel), Araschnia levana (Landkärtchen) - Schmetterling des Jahres 2007, Macdunnoughia confusa  (Schafgarben-Silbereule), Vanessa/Cynthia cardui (Distelfalter), Gonepteryx rhamni (Zitronenfalter), Maniola jurtina (Großes Ochsenauge), Zygaena loti (Beilfleck-Widderchen) RL3 und Zygaena ephialtes (Veränderliches Widderchen) RL3. Interessanter Weise fand ich diesen Monat fast keinen einzigen Bläuling. Da muss ich wohl auf die zweite Generation warten.

30. Juni 2007

Bei völlig bedecktem Himmel machte ich mich auf Richtung Weilbacher Kiesgruben. Ich wollte mal schauen, wie weit Epipactis helleborine schon gediehen ist. Letztes Jahr fand ich sie Anfang Juli blühend vor. Doch als ich am letztjährigen Fundort ankam, fand ich noch nicht einmal Blätter davon... Ob da noch was kommt? Ich werde es beobachten und berichten. Dafür fand ich überraschend Filago arvensis, das Acker-Filzkraut. Ebenfalls ein seltenes Pflänzchen und gefährdeter (RL3) als die Breitblättrige Stendelwurz, nach der ich heute so erfolglos suchte. Auf dem Rückweg konnte mich eine Hornissenschwebfliege für ein paar Augenblicke wirklich täuschen. Als sie mich "angriff", dachte ich wirklich für einen Moment, es sei eine Hornisse. Volvucella zonaria (die Hornissenschwebfliege, oder auch "Große Waldschwebfliege") ist eine nicht allzu häufige Schwebfliege hier in der Umgebung.


Juli

Der Juli 2007: bis zum 13. völlig verregnet! Darum nur zwei kurze Rundgänge durch die Wiesen in der Nähe der Wasserkchaussee (die dieses Jahr hundert Jahre alt wird!) und den Wiesen am Main zwischen Okriftel und Frankfurt-Sindlingen. Dabei gab es durchaus ein paar interessante Insekten zu finden und zu fotografieren. Zum Beispiel Hummel-Männchen von Bombus pratorum (Wiesenhummel) und Bombus campestris (Feld-Kuckuckshummel). Letztere ist eine Schmarotzerhummel der Ackerhummel. Auch einen Bienewolf (Philanthus triangulum) konnte ich ablichten. Der Bienenwolf überfällt und überwältigt mit einem Stich ausschließlich Honigbienen. Diese benötigt er für seine Nachkommenschaft. Sollen Weibchen heranwachsen trägt er 3-6 Bienen in eine Brutzelle - für männlichen Nachwuchs reichen 1-3 Bienen. Die Brutzellen liegen am Ende eines etwa 1 Meter langen Ganges, der schräg in die Erde gegraben wird. Ich fand auch zwei Schwebfliegen, die sich für ein Foto hergaben: Eristalis arbustorum (Kleine Keilfleck-Schwebfliege) und Helophilus trivittatus (Große Sumpfschwebfliege). Und, um noch bei den fliegenden Insekten zu bleiben: die Graue Fleischfliege (Sarcophaga canaria) und Cylindromyia bicolor, eine Raupenfliege. Etwas hübscher anzusehen sind dagegen die Käfer dieser Tage. Eine unter Naturschutz stehende Art war dabei: Trichodes apiarius, der Gewöhnliche Bienenkäfer. Seine Larven entwickeln sich in Bienenstöcken oder Nestern von Wildbienen. Dort fressen sie Puppen und Larven, doch meist ohne größere Schäden anzurichten. Ein ähnlich gefärbter Käfer, mit allerdings völlig anderer Lebensweise ist der Totengräber (Necrophorus vespillo): seine Larven ernähren sich von Aas. Weitere Funde: Leptura quadrifasciata (Vierbindiger Schmalbock), Amphimallon solstitiale (Junikäfer), Rivula sericealis (Seideneulchen - ein Nachtfalter), Thomisus onustus (Gehöckerte Krabbenspinne - diesmal die weiße Form, versteckt auf einem kuscheligen "Nest"), Misumena vatia (Veränderliche Krabbenspinne).

Am 07. Juli war ich mit Anja in Wiesbaden-Biebrich im Schlosspark. Wir wollten uns die dort frei lebenden Papageien einmal anschauen - und wurden ohne weiteres fündig. Hoch in den Baumkronen turnten Große Alexandersittiche und in den Walnussbäumen tobten dutzende von Halsbandsittichen herum und fraßen sich an den Früchten die Bäuche voll. Der ganze Park wurde durch das wilde Geschrei der verschiedenen Papageienarten beschallt! Ausführliches dazu gibt es hier.

Auch der Rest des Julis 2007 war verregnet und kühl, kaum Funde. Hoffen wir auf den August!


August

15. 08. 2007

Bislang war auch der August sehr verregnet. Ich machte nur kleine Abstecher in die Gegend um meine geliebte Böschung (Verlängerte Voltastraße / Hattersheim). Hier mal drei Schwebfliegenfunde von dort: Eristalis interrupta (Mittlere Keilfleckschwebfliege), Myathropa florea (Totenkopfschwebfliege) und Cheilosia soror (Erzschwebfliege). Etwas überraschend war der Fund eines Weinhähnchens (Oecanthus pellucens), eine Grillenart die sehr wärmeliebend ist. Schön war auch die Sichtung von Colletes cf. daviesanus, einer Seidenbiene - zusammen mit der in ihren Nestern parasitierenden Filzbiene Epeolus cf. variegatus. Einträglich vereint auf Rainfarn. Auch sehr glücklich machte mich der Fund der Wegwespe Cryptocheilus versicolor. Sie ist eine Rote Liste Art (RL 3). An Pflanzen gibt es nun kaum noch Neues zu entdecken. Neu ist die Langblättrige Melde (Atriplex oblongifolia), Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia vulgaris) und die gerade aufblühende Große Fetthenne (Sedum maximum).  Ja, leider neigt sich dieses Jahr - was Fauna und Flora anbelangt - schon langsam dem Ende zu...

 

18. und 26.08.2007 (endlich sonnige Tage!!)

An beiden Tagen war ich in der Gegend um die Mönchbruchwiesen unterwegs. Am 18. nur die Neuwegschneise entlang, am 26. bin ich weiter rund um die Startbahn West geradelt. An der Neuwegschneise war ich hauptsächlich auf der Suche nach Heuschrecken und wurde fündig. Myrmeleotettix maculatus (Gefleckte Keulenschrecke), Gomphocerippus rufus (Rote Keulenschrecke), Chorthippus biguttulus (Nachtigall-Grashüpfer), Chorthippus mollis (Verkannter Grashüpfer), die dort sehr häufige Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda coerulescens) - RL 3 - und wahrscheinlich auch die seltenere Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) - RL2 - konnte ich fotografieren. In einer der Seitenwege beobachtete ich eine Hornisse (Vespa crabro), die ständig dicht über dem Weg patrouillierte. Ich hoffte, sie würde sich einmal hinsetzen, für ein Foto, da ich sie noch nicht in meiner Sammlung hatte. Als ich ihr langsam folgte, stöberte ich eine der unzähligen Blauflügeligen Ödlandschrecken auf. Darauf hatte die Hornisse wohl nur gewartet. Die Schrecke war kaum in der Luft, da packte die Hornisse auch schon zu und stürzte mit ihrer großen Beute zu Boden. Umgehend begann die Jägerin der Schrecke den Kopf zu zerkauen. Schaurig, aber sehr spannend zu beobachten. Gelungen ist mir, denke ich, auch der Schnappschuss einer Wespenbiene ( Nomada cf. rufipes). Am 26. bin ich ja etwas weiter geradelt. Auf dem Weg lag aber wieder die Neuwegschneise. Dort hoffte ich noch auf den ein oder anderen Schmetterling der noch nicht in meiner Sammlung auftaucht. Doch Fehlanzeige, nur "alte Bekannte" (Kleiner Feuerfalter und Kleiner Sonnenröschen-Bläuling). Dafür war ich für eine Goldaugenbremse (Chrysops relictus) geradezu unwiderstehlich. Sie flog mich mehrmals an. Zuerst allerdings auf dem für mich falschen, nämlich den rechten Arm (mit links kann ich nicht fotografieren). Ich bot ihr minutenlang meinen linken Arm an, bis sie endlich kurz dort landete. Ein Foto gelang mir bevor sie wieder abflog und ohne dass sie zustach. Dann fand ich noch ein Insekt mit sehr lustigem, deutschen Namen: den Rotrückigen Irrwisch (Alydus calcaratus), eine Krummfühlerwanze. Danach weiter, unter anderem wollte ich mir die Wiesen dort (beispielsweise die Birkenseewiese) etwas genauer anschauen. Leider war ich einen Tag zu spät dort - alles frisch abgemäht. Schade. Finden konnte ich dort lediglich noch einen kleinen Restbestand von Melampyrum pratense (Wiesen-Wachtelweizen) am Waldrand. Weiter, tiefer im Wald an der Startbahn West fand ich einen sehr großen Bestand von Chenopodium pumilio (Australischer Gänsefuß). Dieser Neophyt aus, wie der Name schon verrät, Australien verbreitet sich die letzten Jahre zusehends. Ein paar Meter weiter entdeckte ich eine Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum). Sie hatte sich einen verblühten Roten Fingerhut als Ansitz gewählt. Ich pirschte mich langsam an und konnte ein paar Aufnahmen machen. Während ich so vor mich hin knipste, hörte ich ein Auto den Waldweg entlang fahren und wunderte mich darüber ein wenig - da es wirklich mitten im Wald, weit entfernt von öffentlichen Straßen war. Jedenfalls stoppte dies Auto direkt hinter mir: "Hier spricht die Polizei, entfernen sie bitte ihr Fahrrad vom Weg."  Mann, bin ich erschrocken! Und ja, mein Fahrrad stand wirklich mitten auf dem Weg,... aber ich wähnte mich ja auch mutterseelenallein dort an dieser Stelle. Konnte ja nicht ahnen, das die Polizei dort entlang fährt. Na ja, sie waren aber echt nett, die beiden Uniformierten. Zurück nahm ich quasi eine Abkürzung: die kleine Fähre über den Main. Erwähnenswert deswegen, weil eine kleine Gruppe Frauen mittleren Alters mitfuhr, die mehr spaßeshalber den Fährmann baten, er könne ruhig noch ein wenig weiterfahren als nur schnurgerade über den Main. Und, ich konnte es kaum glauben, der liebe Mann tat uns den gefallen und drehte eine kleine Extrarunde den Main hinauf. Ich war über diese Liebenswürdigkeit erstaunt und erfreut! Wo bekommt man so was heutzutage noch für 60 Cent!! Darum auch an dieser Stelle noch einmal ein dickes Dankeschön an den Fährmann!!

Und hier noch ein paar Irrläufer (Nachtfalter) aus meiner Küche: Phragmatobia fuliginosa (Zimtbär), Triodia sylvina (Ampfer-Wurzelbohrer) - verirrt sich regelmäßig, Jahr für Jahr um diese Zeit, Galleria mellonella (Große Wachsmotte) - von Imkern nicht gerne gesehen, da ihre Raupen in Bienenstöcken leben und dort die Waben zerfressen, Xanthorhoe spadicearia (Heller Rostfarbener Blattspanner), Hoplodrina ambigua (Hellbraune Staubeule) und Mamestra brassicae (Kohleule). Allesamt vom Licht in der Küche in der Nacht angelockt. Vielleicht kennen Sie den ein oder anderen Falter aus eigener Anschauung in Ihrer Wohnung...


September

Nach einem Treppensturz Anfang September, der eine schwere Wirbelprellung zur Folge hatte, bin ich leider in meiner Bewegungsfreiheit sehr eingeschränkt. Von daher nur vereinzelte Funde von den Runden mit meinem derzeitigen Pflegehund.

Zum Beispiel diese wunderschöne Achateule (Phlophora meticulosa), oder auch diese kleine, schöne Keulenhornbiene (Ceratina cyanea), deren metallisch grünen Glanz man leider auf den Fotos nicht sehen kann.


Oktober

Die Natur ist schon sehr auf Herbst eingestellt. Ich finde kaum noch Insekten, neue Pflanzenarten schon gar nicht. Aber, jetzt beginnt die Zeit der Pilze, auch wenn 2007 anscheinend bei uns kein gutes Pilzjahr wird. Hier mal ein paar Funde der letzten Tage: Pholiota squarrosa (Sparriger Schüppling), Mycena haematopus (Blut-Helmling), Mycena pura (Rettichhelmling), Stropharia rugosoannulata (Rotbrauner Riesen-Träuschling), Pluteus cervinus (Rehbrauner Dachpilz), Psathyrella conopilus (Lederbrauner Faserling),, Flammulina velutipes (Samtfußrübling), Macrolepiota procera (Parasol), Leccinum scabrum (Birkenpilz), Scleroderma citrinum (Kartoffelbovist), Armillaria ostoaye (Dunkler Hallimasch) - ein Pilz mit betörendem Duft, dennoch nicht zum Verzehr zu empfehlen, Hypholoma fasciculare (Grünblättriger Schwefelkopf), Amanita citrina var. alba ("Weißer"  Gelber Knollenblätterpilz), Tricholomopsis rutilans (Purpurfilziger Holzritterling), Clitocybe nebularis (Herbstblattl / Nebelkappe) und noch  Xerocomus chrysenteron, den Rotfußröhrling. Und einen Falter möchte ich noch vermelden. Die Gamma-Eule (Autographa gamma). Jetzt, zu dieser Jahreszeit hat man öfter einmal das Glück, sie tagsüber an Blüten schwirren zu sehen.

Ich muss auch noch unbedingt die kleine Fähre zwischen Okriftel und der Kelsterbacher Seite erwähnen! Sie fährt 2008 voraussichtlich ab 01. Mai bis Ende Oktober an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von etwa 10:00 Uhr bis (je nach Tageslänge) etwa 19:45 Uhr. Die Fährleute sind sehr nett und freundlich, immer für einen kurzen Plausch zu haben und für 40 Cent (60 Cent mit Fahrrad) kommt man mehr als günstig auf dem kürzesten Weg in den Kelsterbacher Wald und von dort zügig ins NSG Mönchbruch. Für mich ist das echt eine Erleichterung. Spare ich doch einen 5 Kilometer Umweg über die Eddersheimer Schleuse und kann dafür weiter in das Gebiet rund um die Startbahn West vordringen. Also Leute: nutzt die Fähre - sie fährt noch nicht kostendeckend. Das sie überhaupt fährt verdanken wir der Firma Schindling.

 

16. Oktober 2007

Ein großer Rundgang rund um die Weilbacher Kiesgruben bei strahlendem Herbstwetter (20°C). Wie schon erwähnt, gibt es in dieser Zeit nicht mehr viel Neues zu entdecken. Nur noch ganz wenige Wildbienen sind an den spärlichen Blüten von hauptsächlich Flockenblume, Acker-Kratzdistel, Greiskraut, Schafgarbe, Rainfarn oder auch Falscher Kamille zu finden. Dennoch befanden sich darunter noch zwei Arten, die in meiner kleinen Wildbienen-Sammlung bislang fehlten: Halictus maculatus und Halictus rubicundus - beide gehören zu den Furchenbienen. Auch eine Blutbiene war noch unterwegs, wahrscheinlich Sphecodes albilabris. Ganz sicher lässt sich das ohne Genitaluntersuchung nicht sagen (aber ich fotografiere und beobachte ja nur und sammle und töte ja nicht, das überlasse ich den richtigen Entomologen). Sphecodes albilabris hat für gewöhnlich einen gänzlich roten Hinterleib, aber kann es auch Farbabweichungen geben, wie bei meiner gefundenen, bei der das letzte Hinterleibssegment schwarz ist.

Zufällig fand ich auch noch die Raupe eines Bärenspinners (ziemlich sicher des Zimtbären - Phragmatobia fuliginosa) beim Sonnenbad auf einem Klettenblatt. Die Raupe ist sicher einige Zeit später aufgewärmt weiter gekrochen: auf der Suche nach einem geeigneten Winterquartier.  Einige hundert Meter weiter fand ich auf einem Brombeerblatt eine Sichelwanze (Nabis spec.) die sich leider auch nicht bis auf die genaue Art bestimmen lässt. Alles in allem war es ein schöner Spaziergang und ich genoss die letzten warmen Sonnenstrahlen ausgiebig!

 

20. Oktober 2007

Ausflug mit Nina zum Naturschutzgebiet Mainzer Sand (weiteres Foto - beide von Nina) bei strahlendem Sonnenschein. Viel gab es verständlicher Weise zu dieser Jahreszeit nicht mehr zu sehen (Graphomya maculata / Gefleckte Hausfliege und wieder eine der unzähligen, nicht genauer bestimmbaren Furchenbienen aus der Gattung Lasioglossum - diesmal ein Männchen). Auch die Sand-Strohblume war noch erkennbar, doch, so abgeblüht nicht mehr wirklich fotogen. Aber zumindest konnte ich mir einmal (Dank Nina) einen Überblick über dies höchst interessante gebiet verschaffen. Mein Fazit dieses Ausflugs: Ich muss nächstes Jahr ab Mai unbedingt dorthin und Nina ist eine sehr angenehme, fotobegeisterte Begleitung. 2008 werde ich sicherlich ausführlicher von dort berichten.

 


***

Liebe Naturfreunde, das zweite Jahr der intensiven Naturbeobachtung und Dokumentation in der Region Hattersheim-Flörsheim-Startbahn-West ist nun so gut wie vorüber. Es gab zudem wundervolle Ausflüge zum Ries in Bayern und in die Main-Spessart-Region. Danke an dieser Stelle nochmals an Anja und Reiner. Ohne sie hätte ich diese wunderschönen Fleckchen Erde wohl nie zu Gesicht bekommen.

Im nun zu Ende gehenden Jahr 2007 traf ich einige interessante Menschen bei meinen Touren. Ich hoffe, dem ein oder anderen nächstes Jahr wieder zu begegnen - an meiner Seite, zu einer gemeinsamen Entdeckungstour. Es ist etwas Schade, dass die Natur mit all ihren facettenreichen Schönheiten fast nur von Menschen jenseits der 40 gewürdigt wird. Zumindest traf ich keine jüngeren Menschen, die sich dafür begeistern ließen. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich in diesem Punkt.

2008 werde ich mich verstärkt in das Gebiet Flörsheimer Schweiz begeben und auch das Naturschutzgebiet Mainzer Sand steht ganz oben auf meiner Liste. Schön wäre es natürlich, wenn nächstes Jahr der Sommer nicht so verregnet und kühl wie dieses Jahr verlaufen wird...

Der Fortbestand dieser stetig an Umfang zunehmenden Webseite ist aufgrund von Finanznot stark gefährdet! Es werden dringend Sponsoren gesucht!!!

Dieses Jahr gibt es wohl keine Touren mehr, dafür aber jede Menge Arbeit. Ich werde den Winter über kleine Artenportraits für die meisten hier vorgestellten Insekten, Vögel und Tiere schreiben. Fertig sind schon die neuen Seiten Wissenswertes über Wildbienen und Wissenswertes über Hummeln. Wissenswertes über Wespen wird es wohl Anfang 2008 geben.

Zum Abschluss dieses Jahres 2007 gibt es diesmal ein Foto einer tropischen Pflanze, einfach, weil sie so schön ist, zu dieser Jahreszeit: mein Weihnachtskaktus.

 

 


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Stand: 21. Januar 2017