Wissenswertes über Orchideen Teil 2 - Arten
Letzte Aktualisierung:

21. Januar 2017 09:30


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Wissenswertes über Orchideen - Teil 2: Arten (meine Funde)

 

Anacamptis pyramidalis

Himantoglossum hircinum

Cypripedium calceolus

Orchis militaris

Platanthera bifolia

Ophrys holoserica

Die Juwelen unserer heimischen Flora - Vorstellung einzelner Arten

So, genug der trockenen Theorie. Ich stelle Ihnen nun die von mir gefundenen Arten noch etwas genauer vor, als dies an anderer Stelle auf Naturspaziergang bereits geschehen ist. Das alle Orchideen in Deutschland streng geschützt sind, habe ich ja zu Beginn dieses Textes schon erläutert, aber hier dennoch einmal der Hinweis: auch, wenn sie noch so schön sind - niemals pflücken, ausgraben oder sonst wie beschädigen!

Liste meiner Funde - ein Klick bringt sie zur gewählten Art auf dieser Seite:

  1. Anacamptis morio (vormals Orchis morio) / Kleines Knabenkraut / Salep-Knabenkraut

  2. Anacamptis pyramidalis / Hundswurz / Spitzorchis

  3. Cephalanthera damasonium / Bleiches Waldvögelein

  4. Cephalanthera rubra / Rotes Waldvögelein

  5. Cypripedium calceolus / Gelber Frauenschuh

  6. Dactylorhiza fuchsii / Fuchs' Knabenkraut

  7. Dactyloyrhiza incarnata / Fleischfarbenes Knabenkraut

  8. Epipactis atrorubens / Braunrote Stendelwurz

  9. Epipactis helleborine / Breitblättrige Stendelwurz

  10. Gymnadenia conopsea ssp.conopsea / Gewöhnliche Mücken-Händelwurz

  11. Himantoglossum hircinum / Bocks-Riemenzunge

  12. Listera ovata / Großes Zweiblatt

  13. Neotinea ustulata (vormals Orchis ustulata) / Brand-Knabenkraut

  14. Neottia nidus-avis / Vogel-Nestwurz

  15. Ophrys apifera / Bienen-Ragwurz

  16. Ophrys sphegodes ssp. araneola / Kleine Spinnen-Ragwurz

  17. Ophrys holoserica / Hummel-Ragwurz

  18. Ophrys insectifera / Fliegen-Ragwurz

  19. Orchis mascula i.e.S. / Stattliches Knabenkraut

  20. Orchis militaris / Helm-Knabenkraut

  21. Orchis purpurea / Purpur-Knabenkraut

  22. Platanthera bifolia / Zweiblättrige Waldhyazinthe

  23. Platanthera chloranta / Grünliche Waldhyazinthe

  24. Spiranthes spiralis / Herbst-Drehwurz

Aus Tunesien stammen diese:

26. Ophrys tenthredinifera / Wespen-Ragwurz

27. Orchis papilionacea ssp. grandiflora / Großblütiges Schmetterlings-Knabenkraut

28. Orchis longicornu / Langsporniges Knabenkraut

 

Die Links der hervorgehobenen Artnamen am Beginn der Kurzbeschreibungen bringen Sie zur Artseite mit weiteren Informationen.

  • Anacamptis pyramidalis, die Pyramiden- oder Spitzorchis (auch Hundswurz genannt) ist nur im Bergland auf sonnigen, trockenen Hängen zu finden. Damit meine ich nicht nur Gebirge im engeren Sinne (dort nur bis etwa 1900m) sondern auch (eher süddeutsche) Mittelgebirge. In Norddeutschland fehlt die Art völlig. 

Anacamptis pyramidalis ist in Deutschland eine der sehr seltenen Arten und wird auf der Roten Liste als stark gefährdet aufgeführt (RL 2). Diesen Status hat sie in den meisten der Bundesländer (auch Hessen), in denen sie vorkommt oder ist eine noch größere Rarität (RL 1, vom aussterben bedroht in Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt). In anderen ist sie mittlerweile ausgestorben oder gilt zumindest als verschollen (z. B. Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern), kam nie dort vor (Schleswig-Holstein). In NRW gibt es einen Standort an der Südseite des Teutoburger Waldes (schriftliche Mitteilung Rolf Mylius). Lediglich im vielerorts von der Sonne verwöhnten Baden-Württemberg ist der Bestand insgesamt noch etwas größer, dort gilt sie als gefährdet (RL 3).

Sie benötigt kalkreiche Böden und ist meist auf Kalktrocken- und Magerrasen oder in Staudenfluren und Säumen (Blutstorchschnabel) zu finden. Durch die anhaltende Verbuschung dieser sensiblen Flächen, ist eine weiter zunehmende Gefährdung der Art wahrscheinlich. Die größten Bestände gibt es wohl noch auf den sonnigen Hängen der Schwäbischen Alb. Ich fand sie erstmalig in meinem Leben aber 2008 bei einem Ausflug mit Nina in die Karlstadter Trockengebiete. Dort standen auf einem kleinen Plateau des Muschelkalk etwa sieben Exemplare in einer kleinen Gruppe - in Gemeinschaft mit Ophrys apifera und Epipactis atrorubens. Die größte unter ihnen erreichte etwa 50cm.

  • Cephalanthera damasonium, das Weiße oder auch Bleiche Waldvögelein, ist eine Bewohnerin warmer, meist kalkiger Wälder und erfreulicher Weise in einigen Bundesländern noch vergleichsweise häufig anzutreffen.

Von Norden her bis etwa an den Nordrand der nördlichen Mittelgebirge fehlt Cephalanthera damasonium völlig. In den kalkarmen, bzw. -freien Gebieten wie Hochschwarzwald oder Bayerischer Wald ist es nur sehr selten zu finden. Doch in anderen, warmen und kalkhaltigen Buchenwäldern (in anderen Laub- und Nadelwäldern ebenfalls, nur etwas seltener), an deren Rändern und selten auch auf Kalk-Trockenrasen, ist es eigentlich etwa von Mitte Mai bis Mitte Juni regelmäßig zu entdecken - auch im Taunus. Der Gefährdungsstatus für gesamt Deutschland lautet ungefährdet. In einzelnen Bundesländern sieht es da oft sicher auch wegen fehlender, geeigneter Bodenverhältnisse) stellenweise etwas anders aus. Das weiße Waldvögelein gehörte zu den ersten Orchideen die ich in meinem Leben fand. Ich begegnete ihm 2006 bei meinem damals ersten Tagesausflug mit Anja auf die Schwäbische Alb erstmalig. In den seither besuchten Kalkgebieten (Alb am Nördlinger Ries, Main-Spessart-Region) ist es regelmäßiger Begleiter meiner Wanderungen. Die Blüten von Cephalanthera damasonium öffnen sich nur bei sehr sonnigem und warmen Wetter, meist sind sie jedoch nie ganz geöffnet. Daher ist es wahrscheinlich, dass sich diese Orchidee regelmäßig selbst befruchtet.

  • Cephalanthera rubra, das Rote Waldvögelein habe ich lange gesucht und am 28. Juni 2010 endlich gefunden. Dank einer Einladung von Eva (von ihr stammt das wunderschöne Foto u.r.), einer Freundin von Naturspaziergang und mittlerweile auch von mir, auf die Schwäbische Alb im Landkreis Reutlingen konnte ich diese wunderschöne Orchidee bestaunen.

Sie wächst auf trockenwarmen, kalkreichen Böden an den Rändern von Buchen- oder auch Kiefernwäldern oder auch auf Lichtungen. Das Rote Waldvögelein ist etwas seltener als das vorangegangene Weiße Waldvögelein. Doch gelten die Bestände in Deutschland noch nicht als gefährdet. Dennoch steht es schon auf den Roten Listen diverser Bundesländer - in Hessen z.B. als "Gefährdet" (RL 3). Auch beim Roten Waldvögelein öffnen sich die Blüten eher bei sonnigwarmen Wetter ganz.

  • Cypripedium calceolus, der Gelbe Frauenschuh hat die größten Einzelblüten unserer heimischen Orchideen - und viele finden sicher auch zu Recht, es seien auch die prächtigsten.

Das Verbreitungsgebiet des Gelben Frauenschuhs zieht sich wie ein breiter werdendes Band etwa vom Harz südwärts über Thüringer Wald, Rhön, Spessart, Odenwald, Steigerwald, Schwäbische und Fränkische Alb hin zum Alpenvorland. Im westlichen Teil Deutschlands als auch im Bayerischen Wald fehlt er dagegen fast völlig. Insgesamt gilt er als in seinem Bestand gefährdet (RL 3), als Beispiel eines Bundeslandes sei nur Hessen erwähnt. Hier gilt der Frauenschuh als stark gefährdet (RL 2). Sein Vorkommen in Hessen konzentriert sich vor allem auf Gebiete des Hessischen Berglands (z.B. Edersee, Werratal), Rhön und Vogelsberg - im Süden auf den Odenwald. Cypripedium calceolus ist zwar nicht an bestimmte Höhenlagen gebunden, doch im höheren Bergland viel weiter verbreitet als in tieferen Lagen. Er wächst nur auf Kalkböden und stellt hohe Ansprüche an den Untergrund. Im halbschattigen oder sonnigen Wäldern (Laub-, Misch- und Nadelwald) und auf Lichtungen, gerne an Hängen, hat er seinen Verbreitungsschwerpunkt. in den Alpen kommt bis in den oberen Bergwald vor - n Gesellschaft rein alpiner Pflanzen. Ich konnte ihn Dank Reiner 2007 erstmalig im Spessart bestaunen. Er kennt eine gute Stelle, an der einige, regelrechte Büsche bildende Exemplare an einem Hang in einem Buchenwald wachsen. Blütezeit ist etwa von Mitte Mai bis spätestens Anfang Juni.

  • Dactylorhiza fuchsii, das Gewöhnliches Fuchs' Knabenkraut gehört in vielen Gegenden zu den häufigsten Orchideen oder doch zumindest Knabenkräutern.

Das Fuchs' Knabenkraut gehört zu den nicht an Kalkböden (wächst sehr häufig auch auf sauren Böden) gebundenen Orchideen und ist deshalb auch in vielen Gebieten eine häufige Orchidee. Außer in Wäldern ist sie an vielen Orten zu finden. Die können sowohl feucht, als auch trocken sein. Wiesen, Magerrasen, Gebüschsäume, ja sogar Straßengräben sind ihr Zuhause. In letzterem fand ich sie 2008 erstmalig - in zahlreichen Exemplaren in der Rhön bei einem Ausflug mit Nina zur Milseburg. Ich, der Orchideen ganz allgemein immer noch für besonders anspruchsvolle (was bei den meisten Arten ja auch zutrifft) Gewächse hielt, wollte damals meinen Augen nicht trauen. Eigentlich begegnet man dieser Orchidee besonders in der Rhön von etwa Mitte Juni bis Mitte Juli fast auf Schritt und Tritt. Dactylorhiza fuchsii kommt auch nicht selten in Gebieten des Taunus und Vordertaunus vor. Es gibt über die Gefährdung dieser Art keine Angaben - aber sie wird sicherlich nicht irgendwo in ihrem Bestand gefährdet sein. Sie kommt auch in unserer stark genutzten und belasteten Natur noch gut zurecht.

  • Dactylorhiza incarnata, das Fleischfarbene Knabenkraut - auch Fleischfarbene Kuckucksblume genannt, ist wesentlich seltener als die zuvor gezeigte Art. Dennoch waren Pflanzen dieser Art die ersten Orchideen, die ich in meinem Leben sah.

Zu verdanken habe ich dies dem Umstand, dass die Art auf den nahe gelegenen Mönchbruchwiesen vorkommt. Aber für gute Fotos hat es dennoch bislang nicht gereicht. Zum einen darf man die Wiesen dort nicht betreten (Naturschutzgebiet) und zum anderen wächst das Fleischfarbene Knabenkraut fast ausnahmslos in sumpfigen, nassen Wiesen und Mooren - und ohne Gummistiefel hat man da keine Chance. In den Mönchbruchwiesen stehen sie zudem nicht selten in bis zu zehn Zentimeter tiefem Wasser. Das ist der Lebensraum dieser Orchidee: basenreiche und stickstoffarme Nasswiesen und Flachmoore im Flachland - in höheren Lagen ist sie noch seltener bis fehlend. Gerade diese besonderen Biotope sind durch weitere Trockenlegungen stark gefährdet. So wundert es nicht, das sie in allen Bundesländern auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzen zu finden ist. Wenn auch in unterschiedlichen Gefährdungsstufen (in Baden-Württemberg z.B. RL 3, in z.B. Thüringen RL1). Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich fast über ganz Deutschland. In Hessen (RL 2) fehlt Dactylorhiza incarnata nördlich des Mains weitgehend.

 

  • Epipactis atrorubens, die Braunrote Stendelwurz, ist die wohl am kräftigsten nach Vanille duftende heimische Orchidee und in Deutschland noch verhältnismäßig häufig anzutreffen.

Ihr starker Vanilleduft brachte ihr besonders an der Ostseeküste den Namen Strandvanille ein, dort gibt es in den Dünen ein isoliertes Vorkommen dieser eigentlich in den Kalkgebieten der Mittelgebirge und den Alpen beheimateten Orchidee. Sie wächst dort meist auf steinigem, trockenen Hängen in sehr lichten, sonnigen Laub-, Misch- und Kiefern-(Nadel-)wäldern. Aber auch auf Magerrasen und selbst in Geröllhalden. Ich fand sie zusammen mit Nina 2008 in den Karlstadter Muschelkalkgebieten zum ersten Mal. Sie wuchs dort auf einem sonnenexponiertem Hang (Kalkmagerrasen) in Gemeinschaft mit Anacamptis pyramidalis und Ophrys apifera. Sie ist in Deutschland insgesamt gesehen nicht in ihrem Bestand gefährdet und ist auch in vielen Bundesländern nicht auf der Roten Liste vertreten. Zu den Ländern, wo sie sich dennoch darauf findet, gehört auch Hessen (RL 3).

  • Epipactis helleborine, die Breitblättrige Stendelwurz, ist die wohl in ganz Deutschland am weitesten verbreitete und sicher am häufigsten zu findende Orchidee. So wundert es nicht, dass sie die einzige Orchidee ist, die ich im direkten Hattersheimer Umland fand. Ihr Bestand ist in Deutschland nicht gefährdet.

Die Breitblättrige Stendelwurz wächst bevorzugt auf tiefgründigen, meist basischen Böden in, bzw. am Rand von Laub- und Mischwäldern. Doch ist sie im Vergleich zu den meisten anderen Orchideen nicht sehr anspruchsvoll. Bei guten Bodenverhältnissen (trocken oder leicht feucht) kommt sie auch in Nadelwäldern und selten sogar in älteren Fichtenmono-
kulturen vor. Da sie halbschattige bis schattige Standorte mag, ist das kein so großes Problem mit den dort in der Regel schlechten Lichtverhältnissen. Man findet sie sehr oft direkt am Rand von Waldwegen. Die Standorte in meiner direkten Nähe sind zum einen eine uralte, etwas verwilderte Streuobstwiese am Waldrand (meist recht feuchter Boden) - dort befindet sich ein recht großer Bestand von etwa fünfzig Pflanzen auf wenigen Quadrat-
metern; ein anderer Ort ist ein ebenfalls etwas feuchtes lichtes Laubwaldstück bei den Weilbacher Kiesgruben - dort geht der Bestand aber kontinuierlich zurück, da ihr Standort völlig von Brombeeren zu gerankt wird (von den einstmals zehn bis zwölf Pflanzen ist nur noch eine übrig); andere, sehr vereinzelte Bestände finden sich auch bei Eddersheim - dort eher an Gebüschsäumen. Obwohl Epipactis helleborine im Juli oft stattliche Blütentriebe bis zu achtzig Zentimeter Höhe treibt, wird sie aufgrund ihrer etwas unscheinbaren Färbung oft übersehen. Die Blüten werden oft von Wespen und Ameisen besucht.

  • Gymnadenia conopsea ssp. conopsea, die Gewöhnliche Mücken-Händelwurz, gehört ebenfalls zu den noch (in ihrem Verbreitungsgebiet) eher häufiger zu findenden Arten, ist aber weit anspruchsvoller als die vorangegangene Epipactis helleborine.

Diese Orchidee trifft man meist auf trockenen oder etwas feuchten (gern etwas verbuschten) Wiesen und sonnigen Hängen an. Sie dringt aber auch schon mal in lichte Wälder und Moore vor. Die reichsten Vorkommen gibt es auf kalkhaltigen Böden, doch vereinzelt auch auf anderem Untergrund. In den Alpen trifft man sie sogar noch bis in 2300m Höhe an. In Deutschland ist sie noch in ihrem Bestand ungefährdet, doch in einigen Bundesländern schon auf den Roten Listen zu finden. Dort, wo sie vorkommt, bildet sie oft große Bestände und ist mit ihren bis zu siebzig Zentimeter hohen Blütenständen im Juni - Juli weithin sichtbar. Ich fand sie 2008 erstmalig bei einem Besuch der Karlstadter Trockengebiete. Dort sah mancher sanfte Hang dicht rosarot gesprenkelt aus von den unzähligen, leuchtenden Blütenständen. Auch in der Rhön ist sie vielerorts häufig.

  • Himantoglossum hircinum, die Bocksriemenzunge, bildet im Mai - Juni stattliche, meist 80cm hohe (aber auch höher) Blütenstände mit bizarr anmutenden Blüten. Diese wunderschönen, faszinierenden Blüten verströmen einen überraschend, geradezu widerlichen Geruch nach Ziegenbock.

Die Bocksriemenzunge ist eine ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatete Orchidee, die erst im Zuge der Nacheiszeit nach Deutschland einwanderte. Dennoch ist sie sehr wärmebedürftig und sonnenhungrig geblieben. So hat sie dann auch im Südwesten Deutschlands ihren Verbreitungsschwerpunkt. Als Wuchsort kommen Magerrasen, aufgelassene Weinberge, und verbuschte Trockenrasen in Betracht. Bestände in der Rhön sind wohl die nördlichste Grenze ihres Vorkommens in Deutschland. In diesen kalkhaltigen Wärmegebieten ist sie aber meist häufig anzutreffen und ihre schon spektakulär zu nennenden Blütenstände sind von weither sichtbar. In Deutschland wird sie auf der Roten Liste als gefährdet geführt (RL 3) - in Hessen als stark gefährdet (RL 2). Ich habe diese beeindruckenden Pflanzen zum ersten Mal, Dank Reiner, 2007 in der Main-Spessart-Region bestaunen können. Auch in den Karlstadter Trockengebieten ist sie häufig anzutreffen. Ganz so weit müssen wir aus Hattersheim und Umgebung aber nicht fahren, um sie zu finden. Im NSG Mainzer Sand kommt diese Orchidee vereinzelt auch vor - doch habe ich dort noch nie so stattliche Exemplare wie z.B. bei Karlstadt gesehen.


 

  • Listera ovata, das Große Zweiblatt, ist eine Orchidee der wenigen anpassungsfähigen Arten. Obwohl ihre schlanken Blütenstände bis zu 60-70cm hoch werden können, übersieht man sie sehr leicht. Das liegt an ihrer Färbung: Stängel, Blätter und Blüten sind völlig einfarbig grün.

 

 

Das Vorkommen des Großen Zweiblatt ist zwar nicht auf Kalkböden begrenzt, doch bildet es in solchen Gebieten meist die größeren Bestände. Zu finden ist es meist in oft etwas feuchten Laub- und Mischwäldern, in Gebüschen, aber auch vereinzelt auf Magerrasen und in den Alpen zusätzlich noch auf Bergwiesen bis in etwa 200m Höhe. Auch in Sümpfen und regelrechten Feuchtwiesen streckt sie ihre schmalen Blütenstände empor. Sie liebt es schattig und wächst auch noch im tiefsten Schatten. Ihre Fähigkeit, sich in solch vielfältigen Lebensräumen und auf so unterschiedlichen Böden ansiedeln zu können, ermöglicht ihr, sich in fast jeder Ecke Deutschlands wohl zu fühlen. So ist ihr Bestand auch nicht gefährdet. Lediglich im östlichen Teil (Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Sachsen) steht sie auf der Roten Liste und, na ja, in Hamburg. Mir begegnet Listera ovata im Mai-Juni regelmäßig sowohl auf der Schwäbischen Alb, dem Spessart als auch in der Rhön - direkt an den Wegrändern.

  • Neottia nidus-avis, die Vogel-Nestwurz, ist eine chlorophyllfreie (also ohne Blattgrün) Orchidee und zeitlebens von ihrem Mykorrhizapilz abhängig. So kann sie aber auch in den schattigsten Wäldern wachsen.

In warmen Kalkbuchenwälder als auch anderen Laubmischwäldern ist sie meist recht häufig zu entdecken - die Böden können auch nur geringfügig kalkhaltig bis neutral sein - aber sie müssen tiefgründig und mit einer dicken Humus(Laub)schicht bedeckt sein. Darin wurzelt die Vogel-Nestwurz mit ihrem Pilz. Ihr Verbreitungsgebiet in Deutschland nimmt nach Norden in ab, werden doch auch Wälder in jenen Gebieten immer seltener. Mir begegnet sie bei meinen Touren im Spessart oder der Rhön im Mai-Juni regelmäßig - oft viele Exemplare nebeneinander; auf der Schwäbischen Alb fand ich sie jedoch noch nicht. Aber sicher habe ich sie nur übersehen, ihre bräunlich-ockerfarbenen Blütenstände fallen im verrottenden Laub am Boden kaum auf - zudem erinnern sie entfernt an Pilze. Insgesamt ist ihr Vorkommen in Deutschland nicht gefährdet, auch, wen sie in wenigen Bundesländern auf der Roten Liste steht.

  • Ophrys apifera, die Bienen-Ragwurz, ist nun wieder eine sehr anspruchsvolle und von daher auch meist sehr seltene Orchidee. Ich habe lange nach ihr gesucht, ehe ich sie 2008 mit Nina zusammen in den Karlstadter Trockengebieten fand.

Wir entdeckten sie in Gemeinschaft mit Anacamptis pyramidalis und Epipactis atrorubens auf einem flachen, sonnigen Hang. Die Bienen-Ragwurz ist sehr wärmebedürftig und hat von daher ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Wärmegebieten Deutschlands und dort wiederum auf kalkreichen Böden. Der Harz bildet in etwa die Nordgrenze. Sie wächst meist auf Magerrasen und Steppenheiden, doch auch manchmal in lichten, sonnendurchfluteten Wäldern. Ihre Wärmebedürftigkeit zeigt sich auch darin, dass sie selbst in Gebieten, wo sie häufig vorkommt, bei besonders schlechten Witterungsverhältnissen (kalter, langer und nasser Winter und ebensolches Frühjahr) oft nicht zu finden ist. Ophrys apifera gilt in Deutschland als stark gefährdet (RL 2) - in Hessen als gefährdet (RL 3).

  • Ophrys sphegodes ssp. araneola, die Kleine Spinnen-Ragwurz, ist eine in Deutschland nur an ganz wenigen, klimatisch sehr begünstigten Orten in Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen zu finden - in den anderen Bundesländern fehlt sie offenbar ganz.

Nina und ich hatten 2008 das große Glück und fanden ein einzelnes Exemplar in den Karlstadter Trockengebieten. Blütezeit ist etwa April-Mai. Die Kleine Spinnenragwurz wächst nur auf trockenen, bis mäßig feuchten Kalkböden. Als Standort werden warme und sonnige Magerrasen, aufgelassene Weinberge oder auch lichte Kiefernwälder bevorzugt. Eine so seltene Orchidee findet sich natürlich auch auf der Roten Liste Deutschlands, dort wird sie als stark gefährdet eingestuft. Diesen Status hat sie auch in zwei der Länder, in denen sie vorkommt, in Thüringen ist sie allerdings vom Aussterben bedroht (RL 1). In Hessen scheint es einstmals auch ein kleines Vorkommen gegeben zu haben, dies ist allerdings erloschen.

  • Ophrys holoserica, die Hummel-Ragwurz, hat die gleichen Ansprüche an ihre Standorte wie die sehr ähnliche Bienen-Ragwurz und kommt lediglich in Bayern, in Rheinland Pfalz, im Saarland und Baden-Württemberg (die größten Vorkommen in D sind wohl auf der Schwäbischen Alb) vor.

In der Rhön gibt es offenbar vereinzelte Funde, die dann das nördlichste Ende ihres Verbreitungsgebietes markieren. Auch ihr Bestand gilt deutschlandweit gesehen als stark gefährdet (RL 2). Die Bestände in Hessen sind wohl schon lange erloschen. Ich finde die Hummel-Ragwurz regelmäßig in den im Mai / Juni von mir besuchten Gebieten auf der Schwäbischen Alb in manchmal großen Beständen blühend von über 100 Exemplaren vor. Auch in der Main-Spessart-Region ist sie an einigen Stellen zu finden.

  • Ophrys insectifera, die Fliegen-Ragwurz, ist die verbreiteste und häufigste der insgesamt seltenen fünf in Deutschland vorkommenden Ragwurz-Arten. Dennoch ist sie mir bislang nur einmal begegnet - bei einem Besuch der Main-Spessart-Region mit Reiner. Am Fundort wuchs sie in Gemeinschaft mit der Bocksriemenzunge.

Leider waren am Fundtag die Lichtverhältnisse so schlecht, dass die Fotos nicht so toll geworden sind, wie ich es erhoffte. Die Fliegen-Ragwurz ist nicht ganz so wärmebedürftig wie ihre Verwandten und hat deshalb ein wesentlich größeres Verbreitungsgebiet. Es erstreckt sich in einem breiten Band etwa vom Nordrand des Harz über alle Kalkgebiete bis hinunter in die Alpen (dort bis in etwa 1800m Höhe). Sie wächst ebenfalls bevorzugt auf Magerrasen, ist aber auch an Waldrändern und in sehr lichten Kiefern- und Buchenwäldern zu finden - natürlich, wie die anderen Ragwurz-Arten, nur auf Kalkböden. In Deutschland gilt ihr Bestand als gefährdet (RL 3), was auch auf fast alle Bundesländer ihres Vorkommens zutrifft. Sie ist etwa von April bis Anfang Juni blühend anzutreffen.

  • Orchis mascula, das Stattliche Knabenkraut, ist in ihren Standortansprüchen sehr flexibel und von daher in fast allen Teilen Deutschlands zu finden. Sie wächst sowohl auf Kalk, als auch auf sauren Böden. Auf Magerrasen, Wiesen (selbst auf nicht allzu intensiv genutzten Wirtschaftswiesen), in Gebüschen und nicht zu schattigen Wäldern. Es mag meist einen etwas feuchten Boden.

Aufgrund seiner verhältnismäßigen Anspruchslosigkeit ist das Stattliche Knabenkraut in seinem gesamten heimischen Bestand noch nicht gefährdet. Doch da selbst ihr weites Standortspektrum in vielen Fällen vom Menschen bedroht war und ist, haben sich die Vorkommen im Vergleich zum Anfang des 20. Jahrhunderts fast halbiert. In einigen Bundesländern steht sie so doch schon als gefährdete Art auf den Roten Listen (RL 3). Obwohl ich Orchis mascula schon häufiger fand, zum Beispiel im Sinntal oder in den Muschelkalkgebieten bei Karlstadt (es wächst auch in einigen Gebieten im Taunus), habe ich es bisher versäumt, ein paar wirklich schöne Aufnahmen von ihm zu machen. Blütezeit ist etwa von Ende April bis Ende Mai.

  • Orchis militaris, das Helm-Knabenkraut, ist im Mai in den Karlstatder Trockengebieten allgegenwärtig. Bei meinem ersten Besuch dort 2007, war ich erstaunt über die dort angetroffene Masse an Pflanzen. Es wächst dort häufig mit Orchis purpurea zusammen.

Die Verbreitung und Häufigkeit dieses schönen Knabenkrauts nimmt nach Norden hin immer weiter ab, in Norddeutschland fehlt es dann ganz (lediglich in Mecklenburg-Vorpommern gibt es wohl noch vereinzelte, kleinere Bestände bis fast an die Ostseeküste). Wie die meisten Orchideen ist auch Orchis militaris auf kalkreiche Böden angewiesen. Dort wächst es auf mäßig feuchten bis trockenen (gerne auch etwas verbuschten) Magerwiesen, in Streuobstwiesen und auf Weinbergen. In niederen Lagen auch schon mal in lichten Laub- und Nadelwäldern. In der deutschen Roten Liste von 1996 wird das Helm-Knabenkraut als gefährdet (RL 3) geführt, was auch auf einzelne Länderlisten zutrifft, nur in den östlichen Landesteilen und in Niedersachsen ist die Art gefährdeter.

 


 

  • Orchis morio (neuerdings Anacamptis morio), das Kleine oder auch Salep Knabenkraut, ist das am frühesten im Jahr blühende Knabenkraut und eröffnet insgesamt unter den Orchideen die Blühsaison.

Dieses kleinste heimische Knabenkraut ist in allen Bundesländern in seinem Bestand stark gefährdet, oder vom Aussterben bedroht - wenn es nicht sogar schon ausgestorben ist. Lediglich in Bayern und Baden-Württemberg sind die Bestände noch halbwegs stabil (RL 3). Seine Vorliebe für auch landwirtschaftlich nutzbare Flächen ist sein Verhängnis. Die bis Anfang des 20. Jahrhunderts vielerorts häufige Orchidee ist dem immer weiter ansteigendem Einsatz von Düngemitteln nicht gewachsen und in vielen Gegenden auch heute noch stetig auf dem Rückzug. Dabei ist sie eigentlich prädestiniert für ein weites Verbreitungsgebiet, da sie sowohl auf kalkhaltigen als auch schwach sauren Böden wächst. So ist ihr Vorkommen auf trockenen, meist eher etwas feuchten Magerwiesen auf ein Gebiet von etwa Harz bis zu den Alpen verbreitet - sowohl von West bis nach Ost. Die Häufigkeit nimmt dabei von Nord nach Süd stetig zu. Ich fand es mit Nina nördlich des Sinntales im Spessart - als kleine Überraschung bei unserer Exkursion zu den Schachblumenwiesen.


  • Orchis purpurea, das Purpur-Knabenkraut, bildet oft riesige, weithin sichtbare Blütenstände - was ihm oft zum Verhängnis wird. Denn gewissenlose Menschen werden davon magisch angezogen und graben (was ja strengstens verboten ist) die prächtigen Pflanzen aus, um sie in den eigenen Garten zu pflanzen - wo sie dann schnell verkümmern und in zwei bis drei Jahren absterben.

Die beiden fast neunzig Zentimeter hohen, überaus prächtigen Exemplare (die an günstigen Orten nicht selten sind) auf den linken Fotos fand ich mit Nina im Mai 2008 in den Karlstadter Trockengebieten in der Nähe des beliebten Wanderertreffpunktes "Edelweiß". Sie wuchsen etwa vierzig-fünfzig Meter vom Wanderweg entfernt auf einer mageren Wiese - und durch die Wiese zog sich schon ein ausgeprägter Trampelpfad zu den Pflanzen. Was bei einer Blütezeit von fast zwanzig Tagen und solch einem Anblick auch nicht ganz verwundert. Wie unterschiedlich die Wahrnehmung von solchen Pflanzen oder auch anderer Orchideen ist, zeigte sich ebenfalls an den beiden. Während wir (Nina und ich) als Bewohner einer völlig orchideenarmen Gegend und viele andere Wanderer (aus vielleicht ähnlichen Regionen stammende) und naturbegeisterte (Fremde und "Einmische") fast ehrfurchtsvoll die Pracht bewunderten, ließen andere ("Einheimische") direkt daneben mit ihren Kindern Drachen steigen, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen und sie beinahe auch noch niedertrampelten - weil für sie diese Pflanzen so alltäglich sind wie für andere der Löwenzahn.

Das Purpurknabenkraut wächst sowohl auf solchen kalkhaltigen Magerrasen- und wiesen, als auch in lichten Laub- und Mischwäldern mit vergleichbaren Bodeneigenschaften, gerne in etwas halbschattigen Bereichen. Doch wohl nur auf sonnigen Flächen werden die Blütenstände so eindrucksvoll. Denn die Pflanze auf den rechten Fotos stammt aus einer anderen Ecke im Spessart und wuchs auf einer eher schattigen, grasigen Waldlichtung - zusammen mit Orchis militaris und zahlreichen Hybriden. Verbreitungsgebiete und Gefährdung vergleichbar mit Orchis militaris.

 

 

  • Neotinea ustulata (früher Orchis ustulata), das Brand-Knabenkraut, ist gegen O. purpurea ein regelrechter Winzling von meist nur zehn bis dreißig Zentimetern Höhe. Dieses meist nur auf Kalk (aber auch auf schwach sauren Böden) zu findende, wunderschöne Knabenkraut, kommt meist nur in höheren Lagen vor (Eifel, Schwäbische und Fränkische Alb, Spessart, Rhön, Alpen und Alpenvorland aber auch im Oberrheinischen Tiefland).

Als Standort kommen in der Regel nur offene Flächen in Frage, wie Mager-, Wald- und Bergwiesen. Es blüht von etwa Anfang Mai bis Juni und ist dann zwischen anderen Pflanzen auf den Wiesen nur schwer zu entdecken. Noch dazu, ist dieses Knabenkraut eines der seltensten in den meisten Regionen. In Bayern und Nordrhein-Westfalen gilt die Art als gefährdet (RL 3), in Thüringen, Hessen, dem Saarland und Baden-Württemberg schon als stark gefährdet (RL 2) und in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz als vom Aussterben bedroht (RL 1). In den anderen Ländern kam es nie vor oder ist mittlerweile ausgestorben. Ihr geht es da wie fast allen heimischen Orchideen, die besonderen Flächen, die sie in der Regel besiedeln, sind oft bedroht von menschlichen Einflüssen. Ich habe diese schöne Pflanze bei einem Ausflug mit Reiner in den Spessart bewundern dürfen.
 

  • Platanthera bifolia (ich grenze hier nicht nach Unterarten ab), die Weiße Waldhyazinthe, oder auch Zweiblättrige Kuckucksorchis, ist eine im Grunde in ganz Deutschland vorkommende Art - wobei es auch hier dieses Süd-Nord Gefälle gibt. Mir begegnete sie zuerst 2006 auf der Schwäbischen Alb, dort ist sie ebenso häufig anzutreffen wie im Spessart.

Sie kommt sowohl im Flachland als auch bis in etwa 2200m in den Alpen vor. Der Boden kann sowohl kalkreich als auch etwas sauer sein und ist meist auf Mager- und Bergwiesen, als auch an Waldrändern (da finde ich sie meist) und in lichten Wäldern. Angeblich soll es auch Vorkommen in Wiesenmooren geben, doch kann ich dazu nichts sagen. Da sich Platanthera bifolia in drei Unterarten aufspaltet (die ich bislang vor Ort oder anhand der Fotos nicht näher bestimmen konnte), gebe ich hier einen quasi gesamt Gefährdungsstatus für Deutschland an: Gefährdet - Rote Liste 3.

*

Die von mir bei einem Ausflug mit Nina in die Rhön entdeckten, großflächigen und reichen Vorkommen von Platanthera auf den Matten der Langen Rhön, habe ich aus Unkenntnis und somit irrtümlich ebenfalls für P. bifolia gehalten und deshalb nicht ausgiebig fotografiert. Heute weiß ich, dass dies aber Platanthera chlorantha, die Grünliche Waldhyazinthe, ist - eine Art, die mir noch (neben dutzenden anderer) fehlt. Also muss ich mir beim nächsten Besuch in der Rhön unbedingt diese Orchideen genauer besehen und Fotos machen! Denn jetzt habe ich nur dies eine, nicht so dolle Foto:

  • Platanthera chloranta, die Grünliche Waldhyazinthe, kommt an ähnlichen Stellen wie P. bifolia vor. Scheint aber seltener zu sein.

 

 

  • Spiranthes spiralis, die Herbst-Drehwurz oder Herbst-Wendelähre, ist eine in Deutschland wirklich seltene und meist nur zerstreut, kleinflächig vorkommende Art. Ihr Bestand geht wegen der anhaltenden Zerstörung ihrer Lebensräume weiter zurück.

 

Herbstwendelorchis ist eine weiterer deutscher Name für diese kleine und sehr zierliche Orchidee. Sie beschließt nicht nur die alphabetische Auflistung meiner Funde, sondern auch die Blütezeit der Orchideen. Sie ist die letzte Art, die in unserer heimischen Flora zur Blüte gelangt. Meist Ende August sind die ersten kleinen, etwas sonderbar riechenden Blüten an den zerstreuten Standorten zu entdecken und je nach Lage und Witterung geht die Blütezeit bis Anfang Oktober. Sie wächst auf verschiedenen Bodenarten (Kalk bis sauer), doch nur auf Flächen mit sehr niederer, etwas spärlicher Vegetation wie Heiden, Sandmagerrasen und Magerwiesen, doch hauptsächlich kam (und kommt sie oft noch) sie auf kurzrasigen Schafweiden vor. Wer, wie ich (Dank Reiner) einmal das Glück hatte, diese zierliche Orchidee einmal in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen, wird verstehen, warum sie nur an solchen Orten vorkommen kann. Schon bei einer "normal" hohen Grasnarbe üblicher Wiesen, würde die Herbst-Drehwurz sofort von den sie umgebenden Pflanzen und Gräsern unterdrückt. Doch solche besonders kurzrasigen Pflanzengesellschaften werden immer seltener, denn kaum noch eine geeignete Fläche wird von Schafen beweidet. So kann zum einen der Bewuchs höher werden und zum anderen setzt dann auch schnell eine zunehmende Verbuschung der Flächen ein - beides vernichtet die noch vorhandenen Bestände. Einstmals in ganz Deutschland verbreitet und stellenweise sogar häufig (bis etwa Anfang-Mitte des 20. Jahrhunderts), ist Spiranthes spiralis mittlerweile in den meisten Bundesländern ausgestorben. In Niedersachsen und Thüringen (RL 1) droht ihr dieses Schicksal nun auch; in Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt gibt es derzeit noch gesicherte Restbestände (RL 2) - in Baden-Württemberg gibt es noch zahlreichere Fundorte als bei den zuvor genannten Ländern, doch sind diese oft von Zerstörung bedroht, darum auch hier: RL 2, Bestand stark gefährdet; lediglich in Bayern, bedingt durch die reicheren Vorkommen geeigneter Lebensräume im Voralpenland, ist der Bestand reichhaltiger, dennoch gilt die Herbst-Wendelähre auch hier als gefährdet (RL 3). Meine Fotos stammen aus dem Vogelsbergkreis.

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Das waren sie nun, meine bislang vierundzwanzig gefundenen Orchideenarten. Manche noch häufig, andere schon wahre Raritäten. Die einen klein und unauffällig, andere unübersehbar prächtig und groß. Ich hoffe, diese Arten reichten, um Ihnen einen kleinen Überblick über die Vielfalt in der heimischen Orchideenwelt zu geben und Ihnen auch die Problematik zeigte, warum Orchideen oftmals so selten sind und erklärte die Notwendigkeit des Schutzes dieser wunderschönen und faszinierenden Pflanzen. Ich habe ein paar alte Bücher über die heimische Orchideenflora. Durch sie weiß ich deutlich um den Rückgang der Bestände. Denn, viele der dort beschriebenen, oftmals reichhaltigen Standorte existieren heute nicht mehr. Sei es durch Bebauung, durch die intensivere Landwirtschaft oder auch deren Rückgang - beispielsweise Verbuschen und Verwalden viele Magerrasenflächen wegen fehlender Beweidung, bzw. ausbleibender (einjähriger) Mahd und gehen so verloren. Doch nicht nur bewusste, hohe Düngereintrag heutzutage vernichtet nachhaltig potentielle Lebensräume. Die mit Abgasen aller Art in die Atmosphäre eingebrachten Stick- und Kohlenstoffe düngen regelrecht selbst abgelegene und nicht bewirtschaftete Magerflächen und bedrohen so auch noch die letzten Rückzugsgebiete der besonders anspruchsvollen Arten.

Das waren nur vierundzwanzig der etwa 92 in Deutschland vorkommenden Arten und Unterarten, die zahlreichen Hybriden nicht mitgerechnet. Einige kann ich sicherlich noch durch Tagesausflüge entdecken, doch viele sind dazu einfach zu weit von mir entfernt. Besonders die reich an Orchideenarten und -beständen Gebiete der Alpen und des Alpenvorlandes sind nur in einem Urlaub zu besuchen. Ob ich jemals das Geld für einen solchen haben werde, ist allerdings fraglich. Dasselbe gilt für viele nur in Süd- (z.B. Kaiserstuhl, weite Teile der Schwäbischen Alb), Ost- oder Norddeutschland zu findende Arten.

Vielleicht kennen auch sie einen Orchideenstandort in einer noch per Tagesausflug zu erreichenden Gegend? Ich würde mich über Nennung eines solchen riesig freuen - oder, vielleicht nehmen Sie mich ja auch einmal mit?

Abschließend nur noch dies: jede Orchidee - ob nun häufig oder selten, ob schon oft gesehen oder noch nie - freut mich ungemein und lässt mich jedes mal aufs Neue staunen. Sie auch?

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© 2008 by Andreas Haselböck

 
 

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Stand: 21. Januar 2017