Was hilft Wildbienen?
Letzte Aktualisierung:

12. Februar 2017 12:43


Viele Menschen wollen Wildbienen helfen. Das ist wichtig und gut. Doch was hilft Wildbienen wirklich? Die in Baumärkten und Gartencentern aber auch mittlerweile im Onlinehandel angebotenen "Insekten- oder Wildbienenhotels" sicherlich nicht. Diese sind mehrheitlich fachlich unsauber gearbeitet und mit teils völlig unsinnigen Materialien gefüllt. Dies gilt auch und insbesondere für sogenannte "Luxus-Insektenhotels" - der einzige Luxus daran ist der Preis. Siehe auch hier und hier. Aber warum müssen wir Wildbienen (oder auch allen anderen Insekten, Vögeln, Säugetieren etc.) helfen? Weil Deutschland überwiegend aus Siedlungsfläche, Agrarwüsten und Holzfabriken besteht. Ein Hektar Land in der Intensivlandwirtschaft hat etwa den gleichen ökologischen Wert wie ein Hektar auf dem Betriebsgelände der BASF in Ludwigshafen. Das ist der Grund, warum wir heute im Siedlungsbereich, also in den Gärten für Ausgleich sorgen müssen.

 

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1. Wildbienennisthilfen („Wildbienenhotels“)

In sogenannte Wildbienennisthilfen (Schilfhalme, Bambus- oder Pappröhrchen, Bohrungen in Hartholz etc.) ziehen je nach Standort und Region nur zwei bis 15 Wildbienenarten ein. Hinzu kommen, sofern kleinere Durchmesser angeboten werden, noch ein paar kleine Grabwespenarten. Dies alles gilt natürlich für fachlich korrekte Nisthilfen. Die Besiedler solcher Nisthilfen sind oft nicht auf diese von Menschen angebotenen Nistplätze angewiesen und in der Regel ungefährdete Arten. Von daher kann man über den Nutzen streiten. Solche Nisthilfen sind aber auf jeden Fall pädagogisch wertvoll und dienen nicht selten als Einstieg in die faszinierende Welt der Wildbienen. Aber bitte auf Gigantomanie verzichten. Je größer eine solche Nisthilfe, desto einfacher ist es für Parasiten ganze Bruten zu vernichten. Für die sind die großen Nisthilfen ein Schlaraffenland, dass es in der Natur so gar nicht gibt. Viel besser wäre es, wenn schon Nisthilfen, mehre kleine an verschiedenen Standorten zu platzieren. Das verringert den Parasitendruck.

Markhaltige Stängel (z.B. Brombeere, Holunder) die senkrecht angebracht oder in den Boden gesteckt werden sind dagegen als sehr nützlich anzusehen. Solche Strukturen sind selten geworden. Dabei werden aber keine frisch geschnittenen Stängel besiedelt, ein Jahr sollten sie schon alt sein. Von daher ist auch wichtig, im Garten trockene Stängel von Königskerzen, Karden, Disteln usw. stehen zu lassen und nur im Frühjahr die oberen, dünnen Teile abzuschneiden.

 

2. Freie Bodenflächen

Die überwiegende Mehrheit unserer heimischen Wildbienenarten nistet im Boden. Je nach Art werden sandige oder lehmige Böden bevorzugt. In „guter“ Komposterde wird sich keine Wildbiene ein Nest anlegen. Nur wenige Arten stellen an das Nistsubstrat keine größeren Ansprüche. Wichtig ist Offenboden oder zumindest nur spärlich bewachsener Rohboden. Die Mehrzahl der gefährdeten oder stark gefährdeten Arten sind Bodennister!

Wichtig sind noch lehmige Steilwände. Diese werden immer seltener. Man benötigt Lehm und Sand sowie einen Kasten, in den man das Gemisch einfüllen kann. Anleitungen hierzu gibt es mittlerweile im Internet.

 

3. Wildblumen

Eine wirkliche Hilfe. Was den heimischen Wildbienen vor allem fehlt sind heimische Wildblumen. Nur sie bieten die richtige Nektarquelle und Pollen mit der passenden Eiweißzusammensetzung für den Nachwuchs. Von ein paar Generalisten unter den Wildbienen abgesehen (zum Beispiel die Hummeln, manche Mauerbienenarten) benötigen die meisten Arten bestimmte Pflanzen als Lieferanten für den Larvenproviant.

Wichtige heimische Wildpflanzen sind zum Beispiel:

Hornklee    Natternkopf    Ziest (Aufrechter, Deutscher, Woll-, Wald-)    Zaunrübe    Flockenblumen    Disteln    Glockenblumen    Gundermann

Wegwarte    Färberkamille    Senf    Schöterich    Nachtviole    Wilde Möhre    Haarstrang    Engelwurz    Lauch    Witwenblume    Esparsette

Resede    Wundklee    Kerbel    Bärenklau    Rainfarn    Greiskräuter    Pippau    Ochsenzunge    Taubnessel    Günsel    Wicken    Alant    uvm.

Wer nur wenig Platz hat, sollte sich auf wenige Pflanzenarten beschränken. Ein oligolektisches  (also auf eine oder wenige Pflanzenarten spezialisiertes) Wildbienenweibchen benötigt (je nach Art) zwischen 50 und 500 Blüten einer Pflanzenart für ihre Brutzellen (je nach Art 8-20). So kann man mit wenigen Pflanzenarten in großer Anzahl mehr Hilfe leisten als mit einem großen Sammelsurium verschiedener Pflanzen auf kleinem Raum. Größere Vielfalt kann man eher auf größeren Flächen sinnvoll anbieten. Wichtig ist ein über die gesamte Vegetationsperiode andauernder Blühaspekt.

 

4. Engagieren

Der wichtigste Punkt! Die beste Hilfe für Wildbienen ist ihr Engagement und Protest. Beschweren Sie sich über fehlerhafte Nisthilfen im Handel! Protestieren Sie gegen die Zerstörung der Natur. Klären Sie Gemeinden, Kommunen, Städte usw. über ungeeignete Ackerblühstreifen auf (meist sind die darin enthaltenen Pflanzenarten völlig ungeeignet). Merken Sie sich: je bunter und exotischer solch ein Blühstreifen ausschaut, desto ungeeigneter ist er meist. Versuchen Sie ihre Gemeinde / Stadt dazu zu bewegen, Grünflächen mit heimischen Wildpflanzen zu begrünen. Protestieren Sie gegen die ständige Mahd von Wegbegleitgrün. Selbst Waldwege werden mittlerweile häufig am Rand gemäht - ein völliger Irrsinn! Engagieren Sie sich gegen den übermäßigen Gift- und Gülleeinsatz. Protestieren Sie gegen Flächenversiegelung. Was wir im Garten oder auf dem Balkon tun können, hilft nur gegen die Symptome!

Wer wirklich etwas für Wildbienen tun möchte, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen: Kontakt.

 
 
 

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Stand: 12. Februar 2017