Insektenschutz ist Vogelschutz
Letzte Aktualisierung:

22. September 2017 10:46

 
 

 

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Viele Menschen machen sich Gedanken über den Vogelschutz. Immer wieder liest man, dass es weniger Singvögel gibt. Verschiedene Naturschutzverbände und –vereine kümmern sich um Nisthilfen oder Biotope mit Nist- und Schutzmöglichkeiten für Vögel. Was dabei die meisten übersehen, ist die Nahrungsquelle aller Singvögel: Insekten. Für die Aufzucht ihrer Jungen brauchen alle Vögel Insekten, auch die „Körnerfresser“ unter den Singvögeln. Es muss also beim Vogelschutz auch darum gehen, dass ausgewählte Biotope nicht nur Nistmöglichkeiten bieten, sondern auch und vor allem Lebensraum für Insekten. Wer sich einen insektenfreundlichen Garten mit heimischen Wildstauden und Sträuchern anlegt, schafft Lebensraum für viele Insekten. Sie sind die natürliche Nahrungsquelle der Vögel während der warmen Jahreszeit. Im Winter versorgen Wildstauden (zum Beispiel Disteln, Karden) und heimische Sträucher die Vögel mit Futter.

Auch Igel oder Fledermäuse ernähren sich von Insekten  – die Nahrungskette fängt unten an. Was nutzen all die Fledermausunterkünfte, wenn die Tiere nichts zu fressen finden?!

Wenn nur jeder Zweite seinen Garten insektenfreundlich gestalten würde, könnte man auf die Winterfütterung der Vögel völlig verzichten. Die Winterfütterung ist nicht unumstritten und falsche macht die Vögel krank und schädigt eventuell sogar ihre Fortpflanzung.

Die Winterfütterung hält die Vogelpopulationen künstlich hoch. Doch die Rechnung geht nicht wirklich auf. Zwar überstehen mehr Vögel den Winter, aber im Frühjahr / Sommer finden sie für ihre Jungen nicht genügend Nahrung. So verhungert der Nachwuchs nicht selten kläglich im Nest. Da hilft auch keine ganzjährige Fütterung mit Vogelfutter. Die Jungen brauchen Insekten!

Auch bietet eine richtig angelegte Wildblumenwiese samt heimischen Sträuchern über die gesamte Vegetationsperiode hinweg Blühaspekte. Ich persönlich finde sie auch schöner als einen englischen Rasen oder die neu in Mode gekommenen Nichtgärten in Form von Schotterflächen mit Koniferen, am besten noch mit Unkrautvlies darunter.

Ein Naturgarten braucht weniger Pflege als eine Rasenfläche und ist somit auf lange Sicht günstiger als ein herkömmlicher Garten – zudem spart man im Winter das Vogelfutter. Sparen Sie Zeit und Geld und tun Sie dabei noch etwas Gutes!

Wildblumenwiese vor dem SMNS

Eine Wildblumenwiese mit heimischen Pflanzen wie diese vor dem Verwaltungsgebäude des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart kann im Grunde jeder Gartenbesitzer anlegen.

Ökologisch wertloser "Schottergarten"

Bei den Begriffen Vogelschutz, Artenschutz, Naturschutz, Umweltschutz aber auch Kinderschutz, Mutterschutz usw. ist klar, was geschützt werden soll (Vögel, Arten, Natur, Umwelt, Kinder, Mütter...). Spreche ich aber von dem Wort Insektenschutz, wird automatisch von vielen etwas anderes verstanden. Nämlich den Schutz des Menschen und seinem Essen oder "Besitz" vor Insekten. Kaum jemand assoziiert Insektenschutz mit dem Schutz der Insekten vor dem Menschen oder anderen Gefahren. Selbst die Rechtschreibkorrektur von Word oder Google kann mit "Insektenschutz" nichts anfangen und markiert es als falsch. Sucht man in einer Suchmaschine nach Insektenschutz, bekommt man auch nur Angebote und Artikel zum Schutz vor Insekten. Seltsam und macht mich nachdenklich. Wir müssen lernen, dass Insekten uns nicht mutwillig etwas Böses wollen. Der Schutz von Insekten muss den gleichen gesellschaftlichen Stellenwert von allen anderen Xy-schutz erlangen.

Schutzmaßnahmen für Insekten sind Vogelschutzmaßnahmen vom Grund auf. Faktisch ist der Schutz von Insekten gleichzeitig der einzig sinnvolle Naturschutz.

Ein Beispiel aus eigener Erfahrung:

Im Herbst 2011 zogen wir in eine neue Mietwohnung in Stuttgart-Zuffenhausen. Die Wiese ums Haus war etwas wild und wurde zwei- bis dreimal im Jahr mit einem Rasenmäher gemäht - immer komplett. Ich installierte gleich meine Wildbienennisthilfen. 2012 und 2013 habe ich dort im Garten 117 Insektenarten nachgewiesen - davon waren 14 Wildbienenarten (inkl. Hummeln). 2014 durfte ich einen kleinen Teil der Wiese umbrechen und Samen heimischer Wildblumen von Rieger-Hofmann ausbringen und sorgte gleichzeitig für Todholzstrukturen und offene Bodenstellen.
2015 waren es dann 302 Insektenarten (Wildbienen und Hummeln 26).
2016 haben ich mit den Vermietern vereinbart, dass ich die Wiese mähe. Mit der Sense, immer in Streifen (also nie komplett) und zu unterschiedlichen Zeitpunkten (nicht stur Frühjahr, Sommer, Herbst) und das auch nur zweimal im Jahr. Das Mähgut wurde immer einige Tage liegen gelassen und dann zusammengerecht. Artenzahl bis Dezember 2016: 443 Arten, davon 48 Wildbienen- und Hummelarten. 2017 werden noch weitere heimische Wildstauden gepflanzt um die Wildbienenpopulationen weiter zu stärken. Fazit: auch auf kleinstem Raum lässt sich eine enorme Artenvielfalt ansiedeln.
(Nachweismethoden: Kescher, Klopfschirm, Lichtfang)

Stuttgart, den 24. Dezember 2016, © Andreas Haselböck


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Stand: 22. September 2017